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VK-Leitung und Betriebsrat Opel Bochum
FAX: 0234-989-2680 (Werk I)
FAX: 0234-989-3499 (Werk II)

SOLDARITÄTSADRESSE DES BERLINER ANTI-HARTZ-BÜNDNISSES AN DIE BELEGSCHAFTEN DER OPELWERKE IN BOCHUM

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit Entsetzen haben wir von den Plänen des General Motors
Managements in den USA erfahren,wonach in Europa 12.000
Arbeitsplätze wegfallen und Ihr und Eure Familien in Eurem Werk Bochum mit geplanten 4.000 abzubauenden Arbeitsplätzen die Hauptleidtragenden einer verfehlten Managementpolitik sein sollt.
Wir begrüßen, daß Ihr bereits seit Tagen praktischen Widerstand
geleistet habt.

Wir solidarisieren uns mit Eurem Kampf zum Erhalt Eurer
Arbeitsplätze und begrüßen ausdrücklich Euer Bestreben, diesen
Kampf nicht alleine, sondern zusammen mit den Kollegen und
Kolleginnen am kommenden Dienstag, und möglichst darüber hinaus,
an allen europäischen GM-Standorten führen zu wollen.

Wir sehen nicht zum erstenmal, wie an sich rentable Arbeitsplätze
durch die Strangulation eines allzu ehrgeizigen aber gleichzeitig
inkompetenten Managements durch eine verfehlte
Investitionspolitik einfach plattgemacht werden sollen, damit
Banken und Börsen dem Gesamtkonzern wieder wohlgesinnt sind.

Daß Ihr, die von einem solchen Arbeitsplatzabbau Betroffenen und
Eure Familien, damit einer akuten existenziellen Bedrohung
ausgesetzt werdet, interessiert solche Leute nicht, für die Ihr
anscheinend nur eine mathematisch variable Größe X seid, die am
fernen Konzernsitz in Detroit am grünen Tisch festgelegt wurde.
Dagegen sollten wir uns - national und international - mit allen
möglichen Mitteln, die uns als lohnabhängige Beschäftigte zur
Verfügung stehen, zur Wehr setzen und uns nicht gegenseitig
ausspielen und spalten lassen.
Denn einer globalisierten Konzernpolitik, wie sie Euch in Bochum
heute existenziell bedroht, können wir - alle lohnabhängig
beschäftigten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen - nur durch eine
länder-,branchen- und standortübergreifende Solidarität ein
Gegengewicht entgegensetzen, z. B.Solidaritätsstreiks. Denn die
vermeintlichen Gewinner einer solchen internationalen
Konzernpolitik sind nicht die Betriebe, deren Belegschaften vom
Stellenabbau erst einmal noch verschont werden. Sie werden die
Bedrohten von morgen sein, wenn dem Kapital auch die Produktion
in den sogenannten Billiglohnländern - wie etwa das Opelwerk in
Polen - zu teuer ist und sie erneut damit drohen, die
Produktion in Länder mit noch niedrigeren Lohnkosten zu verlegen.

Mit diesem Erpressungsversuch der Belegschaften hat bereits vor
einiger Zeit DaimlerChrysler die Tür zu einem umfassenden
Sozialabbau in den Betrieben geöffnet und GM dreht die Spirale
nun noch ein beträchtliches Stück weiter, indem das Management
nun mit dem massiven Abbau von Arbeitsplätzen oder sogar der
Stillegung des ganzen Standorts droht.
Bei Siemens, Karstadt-Quelle, VW... ist es ähnlich, warum nicht
gleich zusammen kämpfen.

Wir sollten uns in diesem Zusammenhang nicht mit allzu
entlarvenden Beschwichtigungsversuchen von der Konzernleitung in
den USA und ihren deutschen Statthaltern abfinden, produktive
Arbeitsplätze in eine Auffanggesellschaft zu überführen und
empfindliche Einschnitte in unser Einkommen hinzunehmen, wie sie
Forster, Opel- Aufsichtsratchef, zuletzt als Rechnung für eine
zweijährige Bestandsgarantie der Arbeitsplätze aufgemacht hatte,
die ein erster Schritt in die Vernichtung Eurer Arbeitsplätze und
damit in die Arbeitslosigkeit ist... denn was ist in zwei Jahren
und was ist mit den Arbeitsplätzen für Eure Kinder und Enkel?

Wenn wir länder-, standort- und branchenübergreifend diesen
weltweit eingeleiteten Trend stoppen wollen, sollten wir uns
nicht von den internationalen Kapitalstrategen und dem Management
hinters Licht führen lassen und konsequent zusammen den Angriff
auf unsere Arbeitsplätze und unsere Existenz abwehren und
internationale Gegenwehr organisieren, uns nicht von den Börsen
und Banken und den Profitinteressen einiger Weniger diktieren
lassen, ob wir in naher Zukunft noch einen Arbeitsplatz haben
oder - dank Hartz IV - im übernächsten Jahr in materieller Armut
leben müssen. Daraus wird auch deutlich, daß wir diese
Auseinandersetzung nur gewinnen und bestehen können,wenn wir die
Kämpfe in den Betrieben und in der Gesellschaft gegen die Hartz-
Gesetze nicht getrennt voneinander betrachten, sondern als zwei
Seiten ein- und derselben Münze, wenn wir als (Noch-)
Erwerbstätige und Arbeitslose, deutsche und ausländische Kollegen
und Kolleginnen

Z U S AM M E N  K Ä M P F E N !

16.10.2004
Plenum des Anti-Hartz-Bündnis Berlin

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