Erwerbslose Psychiatriebetroffene und Menschen mit psychischen Problemen
Der Arbeitsmarkt wird
"reformiert", das führt vor allem zu Verschlechterungen
für Erwerbslose. Die Vorschläge der Hartzkommission sollen
zügig umgesetzt werden, der neue Superminister Clement fordert
ergänzend dazu Leistungs-kürzungen für Erwerbslose.
Was bedeutet die Hartzumsetzung für obengenannte Betroffenengruppe
? Einige Beispiele:
- Wer nicht den Behindertenstatus
für sich festschreiben lassen möchte bzw. kann, wird aufgrund
der psychischen Befindlichkeiten oft zwischen den Zuständen
Erwerbsunfähigkeit und Erwerbsfähigkeit pendeln. Erwerbsunfähige
sollen Sozialgeld erhalten, Erwerbsfähige Arbeitslosen-geld
I und II. Das bedeutet, jeweils neue Zuständigkeiten mit dem
ganzen Bürokratenkram, der dazugehört. Gerade Menschen
mit psychischen Problemen werden so zusätzlich psychisch belastet.
- Wer glaubt, als Erwerbsfähige/r
vollwertig behandelt zu werden, wird enttäuscht sein. Menschen
mit psychischen Problemen werden im zukünftigen Jobcenter zumeist
als Betreuungskunden mit erheblichen Vermittlungshemmnissen eingeschätzt.
Ein/e FallmanagerIn wird nun an ihnen herumdoktern und sie betreuen.
- Weitere Probleme sind
die Verschärfung der Zumutbarkeit und Leiharbeit. So ist für
alle nach 6 Monaten Erwerbslosigkeit eine bundesweite Vermittlung
möglich. Für Menschen mit psychischen Problemen sind soziale
Kontakte besonders wichtig. Ein Umzug an einen fremden Ort ist für
sie sehr belastend. Auch der Druck, Leiharbeit, Minijobs und andere
prekäre Jobs (z.B. Scheinselbständigkeit) annehmen zu
müssen, werden den Streß erhöhen. Streß führt
für die Betroffenen schließlich wieder zu Problemlagen
und in die Erwerbsunfähigkeit.
- Psychiatriebetroffene
und Menschen mit psychischen Problemen werden häufig diesem
Streß der Arbeitswelt nicht gewachsen sein, obwohl sie durchaus
unter normalen Umständen arbeiten könnten. Deshalb werden
sie sich oft in den Krankenstatus zurückziehen. Um trotzdem
tätig sein zu können, werden sie sich in Behindertenwerkstätten
und Zuverdienstfirmen ausbeuten, in Tagesstätten und anderen
Einrichtungen entmündigen lassen. Sie werden dort auf ihre
"Krankheit" zurückgeworfen, als "defizi-täre
Objekte" behandelt und auf das "wahre" Arbeitsleben
vorbereitet; erfasst in riesigen Fragebögen, wie sie z.B. für
die Eingliederungshilfe für Behinderte angefordert und an den
Sozialpsychiatrischen Dienst und die Sozialämter weitergeleitet
werden. Aufgrund der lückenlosen Erfassung kann mensch als
"Behinderte/r" Angst bekommen, irgendwann in der Diktatur
zu landen. Aber ebenso soll es jetzt den Erwerbslosen ergehen. In
den Jobcentern müssen sie sich einem Profiling unterziehen
lassen. "Ein `Eingangsprofiling` stellt den Beratungs- und
Betreuungsbedarf fest. In einem weiteren Profiling wird das persönliche
Profil (Tiefenprofil) des Arbeitslosen ganzheitlich erfasst. Neben
den `harten Faktoren` wie beruflichen Qualifikationen und Jobhistorie/Lebenslauf
werden auch `weiche Faktoren` wie Motivation und `Softkills` wie
Teamfähigkeit oder Flexibilität erfasst. Es beinhaltet
auch die finanzielle, persönliche und familiäre Situation."
(Tatort Arbeitsmarkt, Hg. Gegeninformationsbüro) Welche Daten
die Chipkarte, die eingeführt werden soll, dann liefern wird,
bleibt abzuwarten. Potentielle ArbeitgeberInnen werden so im Detail
über ihre ArbeitnehmerInnen informiert.
- Viele Psychiatriebetroffene
und Menschen mit psychischen Problemen leben aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit
und niedriger EU-Rente in Armut. Dieser Zustand wird aufgrund der
kaum vorhandenen Chancen, ins Erwerbsleben zu kommen oder zurückzukehren,
festgeschrieben. Nach der Wahl fordert Clement eine "erhebliche
Reduzierung" der Leistungen für Erwerbslose. Das wird
die sozialen Probleme und den Druck zu miesen Jobs noch verstärken.
Es ist ein Hohn, dass der gelockerte Kündigungsschutz für
Behinderte als Erfolg gefeiert wird, weil Behinder-te dadurch von
ArbeitgeberInnen eher eingestellt werden. Menschen ohne Vermögen
werden in dieser Gesellschaft auf die Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft
abgeklopft und ggf. als "wertloses Menschenmaterial" gedemütigt.
(Das soll keinen Vergleich zum Nationalsozialismus assoziieren,
wo Menschen als "unwertes Leben" vernichtet wurden.)
Laßt Euch nicht
entmündigen und ausbeuten ! Wehrt Euch !
Beteiligt Euch am "Berliner
Bündnis für soziale Grundrechte - Stoppt die Hartzpläne!".
Es trifft sich am Sonntag, d. 17.11.um 17 Uhr im Haus der Demokratie
und Menschenrechte, Greifswalder Str.4 im Großen Saal.
Weitere Infos: www.anti-hartz.de
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