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Seit Jahren erklären
uns Regierungen, Medien, Unternehmerverbände und leider auch
manche Gewerkschaftsfunktionäre "unsere" Arbeitsplätze
und damit "unser" Wohlstand seien nur durch "unseren"
Verzicht zu sichern. Ein neuer, spektakulärer Höhepunkt
sind die Pläne der Hartz-Kommission und ihre Umsetzung durch
die Regierenden. Sie schmücken sich mit dem Anspruch, dass
sich bei ihrer Umsetzung die Arbeitslosigkeit binnen weniger Jahre
halbieren ließe. Die Umsetzung der Hartz-Konzepte wird jedoch
wesentlich
a) nur zu vermehrtem Austausch von bisher "regulär"
Beschäftigten durch prekär Beschäftigte wie LeiharbeiterInnen
und
b) zu einem möglichen Zuwachs von offizieller Beschäftigung
in den schlecht bezahlten Dienstboten-Bereichen führen.
Beabsichtigt ist eine Ausdehnung des Niedriglohnsektors. Statistische
Taschenspielertricks sollen die minimalen Beschäftigungseffekte
- weit entfernt von einer realen Halbierung der Arbeitslosigkeit
- kaschieren. Lohnarbeit zu jedem Preis ist das Ziel.
Die gesellschaftlichen
Ursachen von Erwerbslosigkeit bleiben ausgeblendet. Stattdessen
wird Arbeitslosigkeit als Problem mangelnder Mobilität und
fehlender Verzichtsbereitschaft der Betroffenen betrachtet - weswegen
es auch gilt, sie zu "aktivieren" und zu "stimulieren".
Die neoliberalen Hartz-Ideen bekämpfen nicht die Erwerbslosigkeit,
sondern die Arbeitslosen und Beschäftigten. Über die zukünftigen
Lebensbedingungen von Millionen Menschen wird durch sogenannte ExpertInnen
im Überrumpelungsverfahren hinter verschlossenen Türen
entschieden.
Zudem behandelt das Hartz-Konzept
Arbeitslosigkeit als Vermittlungsproblem. Wahr aber ist, dass z.B.
die Berliner und Brandenburger Arbeitsämter seit Jahren 100
Arbeitssuchenden lediglich 2-3 Stellen anbieten können. Auch
wir würden uns einen besseren Service von Arbeits- und Sozialämtern
wünschen. Stattdessen aber wird privatisiert und unternehmerfreundlichst
ausgestaltet, um Beschäftigte wie Erwerbslose noch stärker
als schon bisher zu drangsalieren. Es drohen Verarmung und zwangsarbeitsähnliche
Verhältnisse. Es droht jeder Anspruch an erfülltes Arbeiten
und Leben auf der Strecke zu bleiben. Wir meinen: jedem und jeder
steht ein Recht auf Existenzsicherung in Würde zu, ob er/sie
Lohnarbeit hat, oder nicht. In unserem Widerstand gegen die Hartz-Pläne
richten wir uns genauso gegen die Konservierung des Gefälles
zwischen relativem Wohlstand in den entwickelten kapitalistischen
Ländern und extremster Armut in der 3. Welt.
Um dieser rigiden rot-grünen
Arbeitsmarkt- und Sozialreform solidarisch entgegenzutreten, haben
deshalb in Berlin am 20. Oktober 2002 fast siebzig Menschen aus
verschiedenen Initiativen, Gruppen und Gewerkschaften sowie Einzelpersonen
im Haus der Demokratie und Menschenrechte, ein "Berliner Bündnis
für soziale Grundrechte -- Stoppt die Hartz-Pläne!"
(Anti-Hartz-Bündnis) gegründet. Einig sind wir uns in
der Einschätzung und in der Ablehnung des Hartz-Programms und
ähnlicher Politikkonzepte, wie z. B. dem drohenden Umbau des
Gesundheitswesens.
Wir gehen davon aus,
dass die Drohung der rot-grünen Regierung, die Pläne der
Hartz-Kommission "1:1" umzusetzen, unter anderem zu
+ neuen Demütigungen, dem Abbau sozialer Rechte für Erwerbslose
und SozialhilfebezieherInnen (Abschaffung der Arbeitslosenhilfe,
Verschärfung der Zumutbarkeit, Zwangsmobilität, Sozialgeld
nur noch für "Arbeitsunfähige")
+ weiterer Aufweichung von Flächentarifverträgen, Aushöhlung
des Kündigungsschutzes
+ Ausdehnung der Leiharbeit (PSA, schlechte Tarife, faktisch kein
Kündigungsschutz)
+ erweiterten Spaltungen von Belegschaften in Stamm- und Leiharbeitskräfte
+ Ich-AG: Rausdrängen von Menschen aus den sozialen Sicherheitssystemen
in die Scheinselbständigkeit
+ zunehmender Erwerbsarbeit in persönlicher Abhängigkeit
(Subventionen von Dienstleistungen in Haushalten Besserverdienender),
+ familienernhährerfreundliche Quickvermittlung (Männer
werden bei der Stellenvermittlung bevorzugt, Frauen gelten nur als
Zuverdienerinnen)
+ mehr Druck auf Frauen zur Doppelbelastung in Familie und Beruf
("Familien-AG", Aufwertung der Familie als Versorgungsinstanz)
+ schlechteren Bildungschancen für Kinder und Jugendliche -
vor allem Mädchen - aus ärmeren Haushalten, und dort insbesondere
MigrantInnenkindern (Privatisierung der Bildungskosten),
+ mehr Kontrolle und Datenmissbrauch (Signaturkarte, "gläserner
Mensch")
+ schlechteren Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten
der Arbeitsämter führen wird.
Unser Bündnis stellt
den Versuch dar, Gegenöffentlichkeit zu formieren und der Regierung,
die im schwindelerregenden Tempo ihre Pläne durchzieht, eine
außerparlamentarische Hartz-Opposition entgegenzustellen.
Alle Mittel und Wege: Einflussnahme auf die Abgeordneten, "Go
in beim DGB", Aktionen vor oder im Arbeitsamt, konkreten Forderungen
an die Gewerkschaft
sind ausdrücklich erwünscht.
Es geht darum das "Anti-Hartz-Bündnis" in Berlin
so breit wie möglich werden zu lassen und daran mitzuwirken,
dass viele Anti-Hartz-Bündnisse überall entstehen.
Wir haben uns u.a. vorgenommen:
+ Informationen über die Hartz-Pläne und ihre konkrete
Umsetzung in Berlin zu verbreiten
+ Betroffene, die sich wehren wollen, ökonomisch, jurisitsch
und politisch zu unterstützen
+ Aktionen dagegen zu setzen (z. B. zu den PSA) und zu Anti-Hartz-Kundgebungen
zu mobilisieren
+ Diskussionsprozesse über Alternativen bei Ablehnung des Hartz-Konzeptes
anzustoßen
+ eine Veranstaltung mit verschiedensten Personen und Vertretern
von Gruppen durchzuführen, die das Anti-Hartz-Bündnis
bekannt und breiter macht
Das "Berliner Bündnis
für soziale Grundrechte -- Stoppt die Hartz-Pläne!"
(Anti-Hartz-Bündnis) ist offen für neue Mitstreitende
und freut sich über tatkräftige Mitarbeit. Unsere Treffen
sind alle 14 Tage oder wöchentlich Sonntags um 17:00 Uhr im
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405
Berlin.
Weitere Informationen,
Termine, Arbeitsgruppentreffen finden Interessierte unter http://www.anti-hartz.de.
Wir sind z. Zt. zu erreichen unter: info@anti-hartz.de
Berlin, Haus der Demokratie
und Menschenrechte, am 17.11.2002
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