des
ersten Gründungstreffens eines "Berliner Bündnisses
für soziale Grundrechte -- Stoppt die Hartz-Pläne",
am 20.10.2002 im Haus der Demokratie und Menschenrechte
(Beschlüsse wurden erst am Schluss gefasst und sind in diesem
Protokoll kursiv gesetzt.)
1. Begrüssung, Einleitung,
kurze Vorstellungsrunde
Anwesend waren ca. 70
Personen in einem dafür viel zu kleinen Raum 0106 des Hauses
der Demokratie und Menschenrechte.An dieser Stelle noch mal Dank
an alle Anwesenden, dass sie die Situation, wie die Sardinen in
der Dose zu sitzen 2 1/2 Stunden ertragen haben. Es warfen zumindest
Mitglieder folgender Gruppen und Zusammenhänge (teilweise in
Personalunion) anwesend:
Runder Tisch der Erwerbslosen;
Redaktion "Querkopf"; Redaktion Quer; Gruppe Gegenwehr;
Neue Heimat AG; Gegeninformationsbüro; Treffpunkt Regenbogen
Spandau; Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen (BAG-SHI);
Call Center Offensive; Netz für Selbstverwaltung und Selbstorganisierung;
Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi),
Redaktion Forum Wissenschaft; Fututisten in der SPD; Freie ArbeiterInnen
Union (FAU); antiparlamentarische Linke; Initiative anders arbeiten
(oder gar nicht); Fachforum Zukunft der Arbeit in der Agenda 21;
attac (unklar, welche AG ...); DKP-Berlin; IG Metall Stadtteilgruppe
Spandau; für eine linke Strömung (felS); sozialer Ratschlag
Die Vorgeschlagene Tagesordnung
wurde unverändert akzeptiert, die Moderation machten Gerald
und Bernd, Gregor schrieb Protokoll [und mischte sich in die Redeleitung
ein, hoffentlich war ich nicht zu autoritär--Gregor].
2. Blitzlicht Infoaustausch
über den Stand der Hartz-Umsetzung und erste Gegenreaktionen
Infos von Hini:
- Einige Teile der Hartz-Pläne
können ohne Gesetzesänderungen, auf dem Verordnungswege
umgesetzt werden.Diese werden teilweise sehr schnell kommen, teilweise
schon ab 01.12.2002. Beispiele: Auflösung der Landesarbeitsämter;
Verschärfung der Zumutbarkeitskriterien (Mobilität, gestaffelt
nach Familienstand, Versorgungsverpflichtungen und Alter); Bildung
erster PersonalServiceAgenturen (PSA); unklar ist, ob die flächendeckende
Einführung der PersonalServiceAgenturen auf dem Verordnungswege
geht/durchgezogen wird.
- Andere Teile bedürfen
eines Gesetzgebungsverfahrens (teilweise mit Beteiligung des Bundesrates,
teilweise ohne) und könnten nach bisherigen Infos frühestens
ab 01.03.2003 verabschiedet sein.Dazu gehören: Leiharbeitsgesetze;
Sozialgesetze (Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe);
Anhebung der Einkommensgrenze für geringfügige Beschäftigungsverhältnisse
auf 500,- EUR zumindest für Haushaltshilfen (die Grünen
wollen die generelle Anhebung);
- unklar ist z. Zt. ob
und wie das "Bridgesystem" (beschleunigtes Aussondern
von Alten aus dem Arbeitsprozess) und die elektronische Erfassung
per Sozialcard (Chipkarte mit sozialversicherungsrelevanten Daten)
erfolgen wird.
Infos aus der Diskussion:
- Die Koalition will
die Pläne tatsächlich schnell umsetzen, davon zeugt ein
Antrag "Neue Beschäftigung schnelle Vermittlung erstklassiger
Service Reformvorschläge der Hartz-Kommission unverzüglich
umsetzen" entsprechenden Inhalts im Bundestag, der bereits
am 11.09.2002 [!, download unter: http://www.gegeninformationsbuero.de/hartz/hartzkommission.pdf
--Gregor] eingebracht wurde.Die Grünen wollen flächendeckend
PersonalServiceAgenturen einführen.
- Die Berliner Wasserbetriebe
(perdi.net ??) haben bereits eine PersonalServiceAgentur gegründet
und versuchen damit drumrum zu kommen, Lehrlinge übernehmen
zu müssen.
- Siemens und Telekom
wollen ihren Personalabbau über PersonalServiceAgenturen abwickeln
(dazu kam später i. d. Diskussion die Idee auf, dass man diese
PersonalServiceAgenturen skandalisieren könnte, z. B. mit einem
Produktboykottaufruf gegen Firmen, die sowas machen.
- Auf EU-Ebene wird an
eienr Richtline zur Regulierung der Entlohnung von Leiharbeit gearbeitet.Derzeitiger
Vorschlag ist, dass in den ersten sechs Wochen des Beschäftigungsverhältnisses
nationales Recht gelten soll, danach der Tarif der entleihenden
Firma.
bisherige Proteste, Aktionen,
Widersprüche:
- der Landesverband der
JUSOs Berlin hat sich gegen die Hartz-Pläne positioniert
- mehrere Gewerkschaftsbezirke
haben Beschlüsse gegen eine Beteiligung der DGB-Gewerkschaften
an der Umsetzung der Hartz-Pläne bzw. nachträglich gegen
die Beteiligung an deren Ausarbeitung gefasst.(Teilweise wirde die
Legitimierung/Mandatierung der Gewerkschaftsvorstände, sich
daran zu beteiligen in Zweifel gezogen.Zwickel äußerte
sich defensiv, die PersonalServiceAgenturen nähmen den Arbeitgeber
ihr letztes Argument, weswegen die angeblich nicht besetzten 1,5
Mio. Stellen nicht besetzt würden. Dadurch komme die Gewerkschaft
wieder in die Vorderhand.)
- ver.di Fachbereich
13 (sonstige Dienstleistungen, Partreien, Verbände Call Center...)Berlin-Brandenburg
hat sich gegen die Hartz-Pläne ausgesprochen und fordert Kunkel-Weber
(ver.di-Mitglied in der Hartz-Kommission) zurückzuziehen [woraus
und wohin auch immer, die Hartz-Kommission tagt ja nicht mehr--Gregor].
- die IG B.A.U. Berlin
sprach sich gegen die Hartz-Pläne aus.
- der ver.di Erwerbslosenausschuss
und der Koordinierungskreis der gewerkschaftlichen Erwerbslosengruppen
in Berlin lehnen die Hartz-Pläne ab.
- der "soziale Ratschlag"
(ehem. linker Ratschlag) will am 20.12.2002 einen Tag des sozialen
Protestes gegen die Sparpolitik i. d. Stadt durchführen.Darauf
wurde mehrfach Bezug genommen, es wird versucht, sich mit dem sozialen
Ratschlag zu koordinieren [wer macht das eigentlich? -- Gregor]
- das Gegeninformationsbüro
hat eine Broschüre "Tatort Arbeitsmarkt. Bekämpft
die Armen, nicht die Armut!" zusammengestellt, in der die Hartz-Pläne
zusammengefasst und kommentiert sind.
3.Aufgaben und Struktur
des Bündnisses.
Hier wurden zunächst
Vorschläge für Arbeitsgruppen und Tätigkeitsfelder
gesammelt:
- Info-, Pressegruppe
- Solidaritätsfonds, Stiftung - juristischer Widerstand - phantasievolle
Aktionen - öffentlichkeitswirksame Aktionen - Interventionen/Überzeugungsarbeit
in Parteiuntergruppierungen, Fraktionen, Betriebsgruppen u. gewerkschaftliche
Zusammenhänge - Bürger beobachten die Politik/den Umsetzungsprozess
der Hartz-Pläne - Veranstaltung mit promi. Hartz-BefürworterIn
u. Hartz-KritikerIn - Alternativkonzepte entwickeln (wurde mehrfach
genannt und ging von Alternativen Vorschlägen die Lohnnebenkosten
zu senken um so Arbeit billiger zu machen und so Arbeitsplätze
zu schaffen bis zur generellen Kritik der Arbeitsgesellschaft ("gegen
die Arbeit") bzw. des Kapitalismus) - (Straßen-)Theater
- Lohnarbeit in Frage stellen - Go in beim DGB - Demo (wurde kontrovers
diskutiert, eigentlich war niemand gegen Demos, einigen steckten
aber verschiedene Misserfolge in den Knochen, während die "BefürworterInnen"
auch die Notwendigkeit gründlicher Vorbereitung betonten) -
Erfahrungsberichte von Hartz-Betroffenen sammelnund veröffentlichen
- Aktionen und Flugis in Briefkästen stecken in 2 Stadtteilen
(Ost+West) etwa im Dezember - Aktionsdemos + Produktboykott von
Firmen, die PersonalServiceAgenturen gründen - Schwerpunktsetzungsdiskussionen
nicht nur in AGen, sondern auch im Plenum - Aktionen im Zusammenhang
mit PersonalServiceAgenturen (mal einen Tag lahmlegen) - BündnispartnerInnen
gegen neoliberale Politik suchen - Postitionen erarbeiten - Theorie-AG
zur Kritik der Arbeitsfixierung - Alternative Vorschläge zur
Schaffuing von Arbeitsplätzen machen, wie z.B. die Einbeziehung
von Selbständigenund Beamten in die Sozialversicherung um so
die Lohnnebenkosten zu senken - Kurzinfos/Faltblätter für
Betroffenengruppen erstellen - im größeren Rahmen denken
[tun' wir das nicht ständig?-Gregor] - spezielle Arbeitsrechtliche
u. -faktische Situation von MigrantInnen berücksichtigen/thematisieren
Um diesee vielen Vorschläge
irgendwie zusammenzuführen und eine arbeitsfähige Struktur
zu bilden wurden insgesamt 5 Arbeitsgruppen gegründet und je
einer koordinierende Person für diese bestimmt:
- Info/Presse (Gregor)
zugeordnet: Bürger beobachten die Umsetzung der Hartz-Pläne
- Aktionen (Stefan) zugeordnet: Veranstaltung Hartz-KritikerIn/-BefürworterIn
- Bündnisfragen (Renate) - Theorie (Robert) - Solifond/Rechtsfragen
(Elisabeth)
Das Plenum soll 14-tägig
tagen, das nächste Mal am 03.11.2002. Hinrich kümmert
sich um einen größeren Raum, wenn das nicht klappt müssen
wir noch mal in dem zu kleinen Raum 0106 des Hauses der Demokratie
und Menschenrechte tagen.
Schwerpunkt des nächsten
Plenums soll eine zusammenfassende Einschätzung des Hartz-Konzeptes
und seiner Umsetzung sein. Dazu gibt es einen Input von einem Mitglied
des Gegeninformationsbüros, der möglicherweise auch in
Form eines Thesenpapiers vorliegen u. gegebenenfalls. noch rumgemailt
wird.Auf jeden Fall finden sich diese Thesen sicher auch in der
Broschüre "Tatort Arbeitsmarkt.Bekämpft die Armen,
nicht die Armut!", des Gegeninformationsbüros, die auch
unter http://www.gegeninformationsbuero.de/hartz/tatort_arbeitsmarkt.pdf
heruntergeladen werden kann.
Für eine Koordinationsgruppe,
die die Aufgabe haben sollte, die Plenarsitzungen vor- und nachzubereiten,
dazu einzuladen, die Arbeitsgruppen aufeinander zu beziehen und
das Bündnis nach aussen zu vertreten wollte sich niemand melden.Der
Vorschlag, die KoordinatorInnen der Arbeitsgruppen für zwei
Sitzungen, d.h. einen Monat mit einem koordinierenden Mandat zu
betrauen scheiterte an mangelnder Bereitschaft der AG-KoordinatorInnen.
Am Ende erklärten
sich Angelika, Eva und Petra bereit das nächste treffen zu
moderieren.
Wie die anfallende
Koordinationsarbeit solange abgewickelt werden soll blieb unklar.[Inzwischen
hat sich Gerald bereit erklärt einen Einladungstext zu schreiben,
Dieter, diesen zu verschicken, Gregor die Verteiler zusammenzuführen
und zu bereinigen.--Gregor]
4.Verständigung
über die vorbereitete Gründungserklärung
entfiel und soll auch
auf dem nächsten Plenum nachgeholt werden. [Da am Ende offenbar
nicht alle Anwesenden diesen Entwurf für eine Gründungserklärung
in Händen hatten hänge ich diesen noch mal als Attachment
in drei Formaten an.
--Gregor]
|