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Anti-Hartz-Bündnis mobilisiert gegen Reform des Arbeitsmarkts.
Potenzielle Hartz-Gegner sollen ins Boot geholt werden. Bundesweite
Vernetzung im Gespräch
taz Berlin lokal Nr.
6921 vom 4.12.2002, Seite 24, 105 Zeilen (TAZ-Bericht), ANTJE LANG-LENDORFF
Der erste Teil der Hartz-Gesetze
ist Mitte November im Bundestag abgesegnet worden - aber bis heute
weiß ein Großteil der Bevölkerung nicht, dass damit
die Türen für eine Amerikanisierung des deutschen Arbeitsmarkts
geöffnet wurden. So sieht es zumindest das Berliner Anti-Hartz-Bündnis
und geht daher an die Öffentlichkeit: Heute Abend sollen in
der Humboldt-Universität die Kritik am Hartz-Konzept und Perspektiven
des Protests diskutiert werden. Am Donnerstagnachmittag zieht das
Bündnis dann mit einer Demonstration quer durch Kreuzberg von
der Charlottenstraße bis zum Hermannplatz.
Das im Oktober gegründete Anti-Hartz-Bündnis besteht im
Moment aus rund 70 sozialen Initiativen, Gewerkschaftern und Einzelpersonen,
die in mehreren AGs organisiert sind. Neben Gruppen wie Anders Arbeiten,
dem Gegeninformationsbüro oder den Globalisierungskritikern
Attac sind auch Erwerbsloseninitiativen und Sozialhilfeempfänger
vertreten. Ihnen geht es vorrangig darum, gegen strengere Zumutbarkeitsregelungen
und die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zu protestieren.
Die Gewerkschafter im Bündnis haben ein spezielles Verhältnis
zur Hartz-Kommission, da ihre eigene Führung an der Ausarbeitung
der Empfehlungen beteiligt war. Markus Dahms von der IG Metall bemängelt,
die Abgesandten hätten nicht die Positionen der Gewerkschafter
vertreten. Die Stimmung an der Basis sei klar gegen die von Hartz
gemachten Vorschläge. Kein Wunder: Die Arbeitnehmer befürchten,
dass mit der Einführung der Personal-Service-Agenturen, dem
Herzstück der Reform, Leiharbeit attraktiver wird als traditionelle
Beschäftigungsverhältnisse. Auch das Anti-Hartz-Bündnis
rechnet nach der Reform mit einer massiven Ausweitung von Arbeitsstellen,
die langfristig nicht existenzsichernd sind.
Die Aktivisten wissen, dass ihr Protest nur gehört wird, wenn
sie viele sind. Sie wollen daher alle potenziellen Hartz-Kritiker
mit ins Boot holen. Sowohl bei den Jusos als auch im Landesverband
der Grünen gebe es zum Teil heftige Zweifel an der Hartz-Reform,
berichtet Renate Hürtgen, die außer im Anti-Hartz-Bündnis
bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mitarbeitet. Ob
die Kritiker ihre Bedenken nur innerhalb ihrer Parteien äußern
oder außerparlamentarisch, wird sich heute und morgen an der
Teilnehmerzahl zeigen.
Die Mobilisierung von weiteren Aktivisten ist nicht leicht, solange
die rot-grüne Bundesregierung und die Gewerkschaften mehr oder
weniger an einem Strang ziehen. Renate Hürtgen macht sich und
ihren Mitstreitern trotzdem Mut: "Wenn Menschen politisch allein
gelassen werden, ist das immer die Stunde von sozialen Bewegungen."
Inzwischen haben sich andere Anti-Hartz-Initiativen auch im Ruhrgebiet
und in Frankfurt am Main gegründet. Eine bundesweite Vernetzung
ist im Gespräch. Welche Perspektiven ein Anti-Hartz-Bündnis
auf Bundesebene hat, soll heute Abend in der Humboldt-Uni diskutiert
werden. ANTJE LANG-LENDORFF
taz Berlin lokal Nr. 6921 vom 4.12.2002, Seite 24, 105 Zeilen (TAZ-Bericht),
ANTJE LANG-LENDORFF
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