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Diskussionsbeitrag des Bezirksvorstandes
der PDS Tempelhof & Schöneberg vom 08.11.2002

Hartz-Vorschläge schaden Erwerbslosen und Sozialhilfeberechtigten

Wir stellen fest:

1. Der vom Hartz-Gutachten verfolgte Ansatz eines gesamtgesellschaftlichen Co-Managements löst nicht das Schlüsselproblem der Erwerbslosigkeit. Wer die Massenarbeitslosigkeit wirksam bekämpfen will, muss mehr Beschäftigung schaffen. Und diese Beschäftigung muss existenzsichernd und sozial abgesichert für die Betroffenen sein. Arbeit muss ein existenzsicherndes Einkommen garantieren.

2. Auch Leiharbeit muss sozial gesicherte Arbeit sein. Die Entlohnungsbedingungen müssen denen des entleihenden Betriebes entsprechen. Die Hartz-Vorschläge z.B. zur Leiharbeit werden nicht dazu führen, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Vielmehr werden etliche bestehende Arbeitsplätze in Beschäftigungsverhältnisse minderer Bezahlung und schlechter sozialer Absicherung umgewandelt. All diese Maßnahmen führen zu einer Amerikanisierung des Arbeitsmarkts, wo Armut trotz Arbeit alltäglich ist.

3. Die Zumutbarkeitsregelungen sind seit 1975 bereits acht Mal verändert worden. Weiterer Druck auf Erwerbslose ist abzulehnen, Leistungskürzungen ebenfalls. Die vorgeschlagenen Verschärfungen der Zumutbarkeitsregelungen lehnen wir ab. Sie bedeuten vor allem für Langzeitarbeitslose und junge Menschen unzumutbare Härten: verringerte Einkommen, ein Abbau von Qualifikationen und für jüngere Arbeitslose durch den Zwang zur Mobilität ein Verlust sozialer Bindungen. In Ostdeutschland wird die Abwanderungswelle weiter anschwellen. So wird der Osten zum Altenheim und Armenhaus der Republik. Zumutbarkeitsregelungen dürfen nicht vom Trauschein abhängig gemacht werden. Durch Förderung von Frauen ist Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt herzustellen

4. Die Ausweitung von Niedriglohnsektoren droht Dumping- und Verdrängungskonkurrenz zu verstärken. Deshalb ist die Ausweitung der geringfügigen Beschäftigung auf 500,- €-Jobs abzulehnen.

5. Das Angebot an qualifizierten Dienstleistungen muss zu sozial abgesicherten Bedingungen für die Beschäftigten erweitert werden. Für Schwarzarbeit müssen die Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden.


6. ..Statt Privatisierung der Ausbildungsfinanzierung auf Kosten der Auszubildenden und ihrer Familien muss der Grundsatz gelten: Unternehmen, die nicht ausbilden, müssen zahlen.

7. Aufgabe einer sozialistischen Partei ist es, einen neuen Gesellschaftsvertrag gegen den Abbau von sozialen Rechten und Leistungen durchzusetzen

8. Entsprechend den Vorstellungen der Hartz-Kommission, sollen die Erwerbslosen, die Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaften für einen positiven Beschäftigungseffekt, der nicht belegt ist, folgendes hinnehmen:
· Eingriff in die Tarifautonomie,
· Eingriff in die betriebliche Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften ,
· Überwälzung des klassischen Unternehmerrisikos der Beschäftigung auf Arbeitsamt und Betroffene,
· Zusätzliche Belastung erwerbsloser Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
· Deregulierung der Schutzbestimmungen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und damit verbunden der gesamten kommerziellen Leiharbeit.

9. Einige als Modernisierung genannte Maßnahmen sind nebulös. So soll ein Arbeitslosengeld II eingeführt werden, das sowohl an bisherige erwerbsfähige SozialhilfeempfängerInnen als auch an bisherige Arbeitslosenhilfeberechtigte gezahlt wird. Diese Veränderung wird zum Leistungsabbau führen. weil zu befürchten ist, dass die jetzige Arbeitslosenhilfe drastisch eingeschränkt wird. Dies lehnen wir ab. Mögliche Verbesserungen bei derzeitigen SozialhilfebezieherInnen dürfen nicht mit Kürzungen bei ArbeitslosenhilfeempfängerInnen erkauft werden. Wir fordern, dass es eine Grundsicherung als existenzsichernde Sockelung gibt, der Lohnbezug bei der Arbeitslosenhilfe aber erhalten bleibt.

10. Da der Bundeskanzler die Hartz-Vorschläge im Ganzen umsetzen will, fordern wir den Bundesvorstand, die Bundestagsabgeordneten, den Landesvorstand, die Fraktion im Abgeordnetenhaus und die Berliner PDS-Senatoren, sowie alle Bezirksverbbände auf, ihre Zustimmung zu den Hartz-Vorschlägen zu verweigern und gemeinsam mit Gewerkschaften, Betriebsräten, Anti-Hartz-Bpündnissen und Erwerbsloseninitiativen, den Widerstand zu organisieren.

11. Die PDS-Senatoren in der Berliner Landesregierung, sowie die Minister in der Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern fordern wir auf, auf ihre Koalitionspartner in der Weise einzuwirken, dass im Bundesrast keine

12. Zustimmung zu den sich aus dem Hartz-Gutachten entwickelten Gesetzen und Verordnungen der Bundesregierung erfolgt.

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