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Kürze, wenn Hartz VI in Kraft tritt ab 1. Januar, werden Langzeitarbeitslose
also verpflichtet sein, Tätigkeiten und Arbeiten anzunehmen,
die man ihnen zuweist und wofür sie mit einer hohnsprechenden
sog. Aufwandsentschädigung von 1 Euro (in Berlin 1,50 Euro )
abgespeist werden. Zudem wird den Arbeitslosen angedroht, daß
ihr karges Arbeitslosengeld II teilweise oder ganz gestrichen wird,
falls sie dieser Arbeitszuweisung nicht nachkommen.
Wirtschaftsminister Clement hatte im August angekündigt, daß
600.000 Ein-Euro-Jobs geschaffen werden sollen. Bis Ende Oktober sollen
bundesweit bereits 46 200 Langzeitarbeitslose einen solchen Zusatzjob
aufgenommen haben.
Trotzdem mußte im November die Bundesagentur für Arbeit
vermelden, daß die Zahl der Erwerbslosen bundesweit um 50 800
zugenommen hat und damit auf 4,257 Millionen stieg.
Zudem ist vor dem Hintergrund des angekündigten Produktionsabbaus
z.B. bei Opel, Siemens, Karstadt, Banken usw. mit weiterer Zunahme
der Massenarbeitslosigkeit im Lande zu rechnen.
Diese Massenarbeitslosigkeit
ist Produkt der herrschenden kapitalistischen Wirtschaft und Politik,
sowie grüner ökologistischer Politik, was noch dazukommt.
Und statt eines Konzeptes ökonomischer Entwicklung, das dann
auch entsprechend Arbeitsplätze schafft, wird auf den Ausbau
eines Billiglohnsektors (mit Ich-AG, Mini- und Ein-Euro-Jobs) gesetzt.
Löhne und Arbeitsbedingungen werden beständig heruntergedrückt.
Sozial- und Bildungsabbau finden statt. Das ist sowohl ökonomisch
wie politisch eine Abwärtsspirale.
Und um wieder eine Perspektiven
zu entwickeln, so meine ich, ist eine grundsätzliche Kritik
des Kapitalismus notwendig, auch von den KollegInnen mit und ohne
Arbeit, die sich zur Gegenwehr zusammenschließen.
Man fragt sich, was sind das eigentlich für Verhältnisse,
die mit diesen Ein-Euro-Jobs geschaffen werden?
Amtsoffiziell wird das,
was allgemein überall als "Ein-Euro-Jobs" bezeichnet
wird,als "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung
für Langzeitarbeitslose" bezeichnet. Und die Caritas,
die sicher von diesen "Ein-Euro-Jobs" mit profitieren
wird, schreibt zur Verteidigung der Sache: "Es geht um zeitlich
begrenzte Arbeitsgelegenheiten. Der Begriff "Ein-Euro-Jobs"
ist missverständlich, denn es entstehen nach dem Gesetzeswortlaut
ausdrücklich keine Arbeitsverhältnisse."
Durchaus bringt aber
der Begriff "Ein-Euro-Jobs" einen Teil der Sache auf den
Punkt, nämlich daß hier zum allerbilligsten Entgeld gearbeitet
werden soll. Wenn nach dem Gesetzestext ausdrücklich keine
Arbeitsverhältnisse entstehen sollen, dann nur deshalb nicht,
weil mit Arbeitsverhältnissen immer auch Rechte für die
Beschäftigten verbunden sind.
Diese Rechte werden den Arbeitslosen bei den "Ein-Euro-Jobs"
nun gesetzlich, vom Staat her, gestrichen.
Ich meine, das ist ein Problem, über das gerade auch KollegInnen,
die noch in Arbeit sind, Betriebs- oder Personalräte und Gewerkschafter,
nicht hinweg sehen können.
Wer solch einen Job ausschlägt,
dem ist angedroht, das eh karge Arbeitslosengeld II zu kürzen.
Arbeitslose unter 25 Jahren müssen mit noch strengeren Sanktionen
rechnen, falls sie einen Job ablehnen. Ihnen kann das Arbeitslosengeld
komplett gestrichen werden, und es bleiben ihnen nur noch Mieterstattung
und Sachleistungen.
Damit ist dann fast jeder Willkür in diesen Beschäftigungsverhältnissen
Tür und Tor geöffnet.
Denn: Wer wacht über diese Arbeitsverhältnisse? Welche
Möglichkeiten hat der dann beschäftigte Arbeitslose zur
Beschwerde? Welche Möglichkeiten zur Durchsetzung von Verbesserungen
im Job und zur Gegenwehr gibt es noch?
Das Mittel der Arbeitsverweigerung des Streiks wird dem Ein-Euro-Jobber
nicht mehr zugestanden.
Thüringens DGB-Chef
Frank Spieth hat das Verhältnis bei diesen Jobs recht genau
auf den Punkt gebracht, als er sagte: Mit Ein-Euro-Jobs werde "der
Reichsarbeitsdienst im neuen Gewand eingeführt". Er wünschte
sich stattdessen, daß jedem fünften Langzeitarbeitslosen
reguläre Arbeit angeboten werde. Und da kann man ihm nur beipflichten.
Derartige klare Worte des Protestes hätten sich viele der gewerkschaftlich
organisierten KollegInnen nicht nur als einzelne Stellungnahme gewünscht,
sondern von ihren Gewerkschaften insgesamt und dazu einen organisierten
Widerstand, damit solche Verhältnisse gar nicht erst eingeführt
werden.
Als zumutbar soll jede legale, nicht sittenwidrige Arbeit gelten.
Somit schießen bei den sog. Wohlfahrtsverbänden, Kommunen,
aber auch in öffentlichen und einigen privaten Unternehmungen
die Ideen ins Kraut darüber, wo man Arbeitslose billigst arbeiten
lassen könnte.
Da gibt es in Berlin
die Idee, Ein-Euro-Jobber in Bus und Straßenbahn als Begleitpersonal
für "soziale Kontrolle" einzusetzen. Oder da will
in Frankfurt das "Zentrum für Weiterbildung", eine
sog. gemeinnützige GmbH, Hauswirtschafts- und Hausmeisterkräfte,
die in Kindergärten aushelfen sollen, einführen; sowie
eine "Schulfeuerwehr" aus arbeitslosen Biologen, Geologen,
Germanisten und Historikern zusammenstellen, die kranke Lehrer ersetzen
sollen. Und dann gibt es solche gemeinnützig genannten Unternehmen
wie in Stuttgart die "Neue Arbeit", welche speziell öffentlich
geförderte Arbeit für Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger
beim Recycling von Elektronikschrott oder im Büro anbietet,
die jetzt schon als 1,50 Euro Jobs firmieren.
Wen wundert es noch,
daß all diese Einrichtungen bei der Erfindung von Beschäftigungen
für Arbeitslose recht ideenreich sind ? Erhalten sie doch für
die Bereitstellung solcher Jobs einen guten Teil der Zuschüsse
in Höhe von 500,- €, den die Bundesagentur für Arbeit
für jeden geschaffenen Ein- Euro- Job zahlt.
Auch die SPD/Grüne
Regierung kann sich freuen, denn arbeiten die Ein-Euro-Jobber mehr
als 15 Stunden je Woche, fallen sie aus der Arbeitslosen-Statistik
heraus. Neu ist so ein Trick mit der Statistik allerdings nicht:
Schon die CDU nutzte die Möglichkeit der Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen
(ABM) vor der Bundestagswahl 1994, um die Arbeitslosenzahlen kurzfristig
deutlich zu senken.
Kritische Töne und
Bedenken kommen allerdings aus dem Mittelstand und dem Handwerk,
dort wird zu Recht eine gewisse Gefahr der Verdrängung befürchtet.
Warum sollten Kommunen z.B. noch Gärtnereien beauftragen, den
Stadtpark zu pflegen; Hilfsdienste in Krankenhäusern oder an
Stellen von Zivildienstleistenden einsetzten, wenn Ein-Euro-Jobber
billiger zu haben sind?
Als am Montag in Berlin
eine "Erklärung zum Umgang mit den "Arbeitsgelegenheiten
mit Mehraufwandsentschädigung" unterzeichnet wurde, wies
der hiesige DGB-Vorsitzende Dieter Scholz, der von "unsäglichen
Jobs" spricht und davon, daß man den dadurch entstandenen
Schaden begrenzen wolle, gleichzeitig darauf hin: "Ich fürchte,
daß der öffentliche Dienst wegen der knappen Kassen viele
kreative Ideen zur Schaffung von Ein-Euro-Jobs haben wird".
In diesem Zusammenhang
wurde auch verlautet, daß jetzt bundesweit ein Ombudsbeirat
eingerichtet worden ist, der die Einführung von Hartz IV begleiten
soll. Der bürokratische Aufwand wächst. Auf dem Gebiet,
so könnte man ironisch vermerken, wird also für Arbeit
gesorgt. Nur davon, daß den Leute die zu diesen Ein-Euro-Jobs
verpflichtet werden, auch Rechte haben müssen, davon wurde
nichts verlautet.
Man kommt auch nicht umhin, auf die Rolle der Gewerkschaften
bzw. Gewerkschaftsführung einzugehen.
Von Anfang an, als es
noch Vorschläge der Hartz- Kommission waren, wurden diese bereits
von den Gewerkschaftsführungen unterstützt und in aller
Öffentlichkeit begrüßt - ohne dies je vorher mit
ihren Gewerkschaftsmitgliedern an der Basis diskutiert zu haben.
Während es später dann auch aus dem Gewerkschaftsapparat
und von vielen Funktionären kräftige Unterstützung
bei den Proteste und Demonstrationen gab und diese auch mitgetragen
wurden, erlebten wir von den Spitzen her erst die sog. "Sommer-Pause".
Dann, als der Protest trotzdem selbständig weiterging, gab
es den Versuch, sich an die Spitze von großen Demonstrationen
und Kundgebungen zu stellen, um darauf den Protest im Sande verlaufen
zu lassen.
Am 5. Oktober hat der
DGB dann auch zu den Ein-Euro-Jobs Stellung genommen. In seinem
Papier "Gewerkschaftliche Eckpunkte zur öffentlich
geförderten Beschäftigung" heißt es: "Arbeitsgelegenheiten
zu 1-2 Euro pro Stunde (Mehraufwandsvariante) müssen ein nachrangiges
Förderinstrument bleiben,
"
Was nicht mehr und nicht weniger als die Zustimmung zu diesen Jobs
ist, auch wenn sie für den DGB nicht an erster Stelle stehen.
Und weil es manchmal
in den Medien so herausgestellt wird, als würde sich der DGB
für die Freiwilligkeit bei den Jobs einsetzen, möchte
ich noch eines festhalten.
Im DGB Papier heißt es zwar erst einmal "Diese Tätigkeiten
sollten freiwillig sein", aber das ist nichts als eine
leere Phrase, denn der DGB macht keinerlei ernsthafte Schritte,
wie dieses durchzusetzen wäre. Außerdem relativiert er
er mit dem nächsten Satz das Ganze wieder: " Die zwangsweise
Heranziehung zu diesen Maßnahmen muss auf wenige Ausnahmen
begrenzt bleiben."
Vollständig lautet die Passage:
" Diese Tätigkeiten sollten freiwillig sein. Die zwangsweise
Heranziehung zu diesen Maßnahmen muss auf wenige Ausnahmen
begrenzt bleiben. Insbesondere für langjährig Erwerbstätige,
sowie für ältere Erwerbslose sollte die Mehraufwandsvariante
generell auf freiwilliger Basis angeboten werden. Andernfalls werden
diese Angebote schnell diskreditiert und als "Strafarbeit"
verstanden, die mit Demotivation einhergeht."
Man sieht: der DGB versteht
durchaus, was für lausige rechtlose Verhältnisse da eingeführt
werden. Anstatt aber der Sache entgegenzutreten, gilt seine Sorge
mehr dem Umstand, daß die Sache in Mißkredit gerät,
und bemüht er sich, Ausnahmen vorzuschlagen.
Eine Ablehnung der Ein-Euro-Jobs durch den DGB gibt es also nicht,
nicht einmal für den Fall, daß seine selbst aufgestellten
sog. Standards, wie in dem Papier, nicht erfüllt werden.
Sicherlich ist zwischen
den Stellungnahmen der Einzelgewerkschaften und dem DGB auch immer
zu differenzieren. Und es gibt unzählige kritische Stimmen
und auch Widerstand. Nur läuft es bei der maßgebenden
Richtung immer wieder darauf hinaus, die Hartz-Gesetze und das,
was damit zusammenhängt, zu begleiten. Es käme jedoch
darauf an, mit der Politik der sog. "Sozialpartnerschaft"
zu brechen.
Das AHB - ich brauche
es wohl eigentlich nicht extra zusagen - lehnt die Ein-Euro-Jobs,
wie die ganzen Hartz-Gesetze, ab.
Klaus D.,
Berliner Anti-Hartz-Bündnis, c/o Yorckstr. 59, 10997 Berlin
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