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Die Bezirkskonferenz
Berlin möge beschließen:
Die Bezirkskonferenz
lehnt die Kernpunkte des Hartz-Papieres entschieden ab:Nachdem im
Frühjahr mit dem gezielten Gerücht, es wären 1.5
Mio freie Arbeitsplätze vorhanden, der Boden bereitet wurde,
folgt nun konsequent die "Besetzung" dieser weder quantitativ
noch qualitativ bewerteten Arbeitsplätze.Die Bezirkskonferenz
bezweifelt grundsätzlich das Vorhandensein dieser 1.5 Mio.
Arbeitsplätze und fordert im Rahmen einer umfassenden Ist-Analyse
eine strafbewehrte Meldepflicht für alle offenen Arbeitsplätze
beim Arbeitsamt. Nur so lassen sich nach einer statistischen Auswertung
dieser Daten eine Qualifizierungsoffensive sowie andere notwendige
Maßnahmen ableiten.Die arbeitsmarktpolitischen Vorgaben des
Hartzpapieres zu PSA (Zeitarbeit) Ich - und Familien-AG sowie die
Ausweitung der Minijobs werden von der Bezirkskonferenz abgelehnt,
da sie ausschließlich auf die Ausweitung des prekären
niedriglohnbezogenen Marktsegments zielen:- Zeitarbeit in PSA kann
nur dann konkurrenzfähig zu tariflich entlohnter Arbeit (und
auch Zeitarbeit) sein, wenn diese billiger angeboten wird als die
Konkurrenz auf dem Markt. Damit führen die Ausweitung von Zeitarbeit
und die Einführung der PSA zu einem direkten Druck auf formelle
Arbeitsverhältnisse und tarifliche Entlohnung. Drehtüreffekte
sind unvermeidbar. Bei der PSA beschäftigte Erwerbslose müssen
auch während der Probezeit ein tarifliches Arbeitsentgelt erhalten,
so dass ihr Einkommen die Höhe ihres individuellen Anspruches
auf Arbeitslosengeld/ Arbeitslosenhilfe erheblich übersteigt.
Gewerkschaftliche Urprinzipien wie "gleicher Lohn für
gleiche Arbeit" müssen eingehalten werden. Erwerbsarbeit
ohne Lohn wird abgelehnt.- Ich-AG´s und Familien-AG´s
erweitern das Feld der prekären Arbeitsverhältnisse. Die
Zumischung von Ich-AG´s zu vertraglichen Arbeitsverhältnissen
in Hand-werkbetrieben im Verhältnis von 1:1 ist ein direkter
Angriff auf bestehende, formelle Arbeitsverhältnisse in diesem
Bereich. Es ist davon auszugehen, daß die Mehrzahl der Ich-AG´s
sogenannte 1-Auftraggeber-AG´s sein werden, und somit Scheinselbständige!.
Zudem wird bezweifelt, dass Ich-AG´s in der Lage sind, Schwarzarbeit
zu bekämpfen, hier wird auf die Berechnung des Magazins plus-minus
(ARD vom 20.08.02) verwiesen.
Erwerbslose melden sich
bereits ab Kündigung oder erkennbarem Auslaufen eines befristeten
Arbeitsverhältnisses beim Arbeitsamt als demnächst arbeitslos.
Sie werden jedoch vom Arbeitsamt mit dem Bemerken nach Hause geschickt
"Sie werden erst in 3 Monaten arbeitslos? Dann kommen Sie doch
in drei Monaten wieder". Eine passgenaue Vermittlung von Arbeit
in Arbeit ist daher nicht durch mehr Druck auf Arbeitslose zu erreichen,
sondern nur durch das Bereitstellen von ausreichenden Kapazitäten
zur Vermittlung bei den Arbeitsämtern.- Die Wirksamkeit von
Jobfloatern wird bezweifelt! In internationalisierten Kapitalmärkten
fließt Geld immer dorthin, wo es den größten Nutzen
und damit Zinsen erbringt. Entweder Luxemburger Schwarzgeld befindet
sich bereits wieder in Deutschland (weil es hier die höchste
Rendite erwirtschaftet) oder nicht. An diesem Sachverhalt wird ein
Jobfloater dann und nur dann etwas ändern, wenn sich die Lukrativität
ändert. Lukrativität ändert sich z. B. durch eine
Steuerbefreiung (bei niedriger Verzinsung) oder eine Steueramnestie
bzw. durch geänderte ökonomische Rahmenbedingungen; letztere
sind jedoch nicht in Sicht. Die Äußerung des Bundeskanzlers
"lieber Arbeit in Leipzig als Schwarzgeld in Luxemburg"
offenbart eine Taschengeldökonomie auf Grundschulniveau. Der
mögliche Ansatz Schwarzgeld gegen Steueramnestie sollte jedoch
weiter überdacht werden. - Als innovativer Ansatz wird das
Ausbildungswertpapier erachtet. Jedoch greift dieser Ansatz bei
weitem zu kurz: Korrekt ist der Ansatz Aus- und Weiterbildungspapier.
Anonyme Spenden, familiäre sowie betriebliche Wertpapiere sowie
eine Finanzierung über Rabattkarten (payback-Karte), lassen
dieses Instrument interessant erscheinen. Jedoch darf dieses Instrument
nicht dazu führen, dass die betriebliche und betrieblich bezahlte
Ausbildung zurückgeführt wird.- Zur Zusammenlegung von
Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe hat sich die Hartzkommission in
einem diplomatisch formulierten Formelkompromiss schließlich
nicht geäußert, jedoch wird diese Frage nach den Bundestagswahlen
erneut zur Debatte stehen. Die Bezirkskonferenz lehnt daher jede
Kürzung bei der Bezugsdauer und Leistungshöhe bei Arbeitslosengeld
und Arbeitslosenhilfe ab.
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