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Die Hartz-Kommission
hat ihren Auftrag übererfüllt. Sie sollte eigentlich nur
die Vermittlung von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt verbessern
und dafür das als ineffizient gescholtene Arbeitsamt reformieren.
Am Ende präsentierte sie ein Paket von Vorschlägen zur
Reform von Sozialstaat und Arbeitsmarkt. Unausgesprochene Leit-Idee
ist "Arbeit um jeden Preis".
"Arbeit um jeden Preis" im doppelten Sinn: erstens die
Fixierung auf Erwerbsarbeit als Lebenszweck und zweitens die Vermehrung
von Arbeit durch Verbilligung der Löhne, also Arbeit zu jedem
noch so niedrigen Preis.
Konkret geht es unter
anderem um zweierlei:
a) Die Verschärfung der Zumutbarkeitsregeln soll es den Erwerbslosen
erschweren, einen ungewünschten Job, der ihnen seitens der
Behörde "angeboten" wird, abzulehnen.
b) Die Erwerbslosen sollen in Personal-Service-Agenturen und in
andere Leiharbeitsfirmen eingestellt werden und sollen dort für
x-beliebige von ihnen nicht frei gewählte Arbeiten bei immer
niedrigeren Löhnen auf Abruf zur Verfügung stehen.
Die für arbeitsfähig
befundenen Erwerbslosen sollen in unattraktive Billig-Jobs gezwungen
werden. Gängige Ideologie-Etiketten sind "Eigenverantwortung",
"Aktivierung", "Selbsthilfe". Heutzutage gilt
die Einführung von immer härterer Armut zu Disziplinierungszwecken
als eine "mutige Reform". In dieser Hinsicht sind die
Hartz-Vorschläge übrigens noch lange nicht das Ende der
Fahnenstange: die Oppositionsparteien, die "Wissenschaft"
(mehrheitlich), "die Wirtschaft" und reihenweise MedienvertreterInnen
gehen hier noch deutlich weiter.
Besonders mutig ist es also, Verantwortung zu übernehmen, falsche
Hemmungen abzulegen und die Schwächeren der Gesellschaft in
die Tonne zu treten, ihre individuelle Freiheit immer mehr einzuschränken.
Deren Ansprüche an ein erfülltes, befriedigendes Berufsleben,
an ein freies und selbstbestimmtes Leben überhaupt, gelten
nichts mehr - sie haben verfügbar zu sein für diejenigen,
die sich Arbeit einkaufen können. Die Ansprüche der Arbeit-Einkäufer
("Arbeitgeber") wiederum sind untertänigst zu bedienen,
denn sie vollbringen ja die große Wohltat: sie "schaffen
Arbeit"!
Nicht nur Privilegierte
und finanziell Abgesicherte, sondern auch viele von Erwerbsarbeit
Abhängige befürworten es, Erwerbslose in Lohnarbeit zu
drängen, u.a. aus dem durchaus nachvollziehbaren Grund, weniger
Beiträge für sie zahlen zu wollen. Aber mit ihrem "gesunden
Arbeitsethos" schwächen die Lohnabhängigen ihre eigene
Verhandlungsmacht. Die in Lohnarbeit Beschäftigten lassen sich
gegen die Erwerbslosen ausspielen und sind immer mehr gezwungen,
gegeneinander in eine Unterbietungskonkurrenz einzutreten, eine
Konkurrenz um immer miesere Jobs zu immer niedrigeren Löhnen.
In einer hochproduktiven
Überfluss-Ökonomie ist die Vermehrung von Arbeitszwang
nicht nur moralisch abzulehnen, sondern auch ökonomisch unsinnig.
In dem Maße, in dem die Lohnabhängigen als Arbeitskräfte
überflüssig werden, könnten sie stattdessen durch
ausreichend hohe Sozialeinkommen vom Druck zur Erwerbsarbeit immer
mehr entlastet werden. Diese Sozialeinkommen wären auch, als
stabile Konsumnachfrage, ein Beitrag zur ökonomischen Stabilität.
Eine in diesem Sinne intelligente und humane Reform wäre die
Einführung eines möglichst hohen garantierten Grundeinkommens
(Existenzgeldes).
Nicht der von Hartz zur
"Vision" erklärte Anachronismus Vollbeschäftigung
ist das vernünftige Ziel, sondern die Abschaffung der Armut!
Der "Kampf gegen die Arbeitslosigkeit" ist die falsche
Problemstellung.
Die Absicht, "vor allem in Arbeit zu investieren", verweist
ohnehin auf einen Denkfehler, nämlich die Vertauschung von
Mittel (Arbeit) und Zweck (Güter); ein Denkfehler mit üblen
Konsequenzen, wenn es sich bei der "geschaffenen" Arbeit
um unangenehme, perspektivlose und kränkende Sackgassen-Arbeit
handelt, die den Betroffenen nur ihre unwiederbringliche Lebenszeit
und oft genug auch ihre Gesundheit raubt!
Gegen die autoritäre
Arbeitsgesellschaft!
Für die Vermehrung individueller Freiheit für Alle!
Weitere Informationen
zum Thema z.B. über www.anti-hartz.de
Robert Ulmer, Robert3Ulmer@aol.com
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