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Rede auf der Grunewald-Demo vom September in Berlin
Berlin ist durch die Machenschaften der Berliner Bankgesellschaft total pleite.
Mit Steuergeldern wird für privatwirtschaftliches Risiko gebürgt, sozusagen Nothilfe für Reiche geleistet. Gespart wird bei den Armen. Ein Irrsinn. Sozialhilfebezieher werden noch mehr drangsaliert und schikaniert, bis sie jegliche Scheißarbeit annehmen müssen. Der Arbeitszwang wird verschärft. Sozialdetektive überprüfen das Wohnungsinventar der Sozialhilfebezieher, ob sie auch wirklich bedürftig sind. Mit Hilfe der Prüf- und Ermittlungsdienste sieht der SPD-/ PDS-Senat erhebliche Einsparpotentiale. Selbst im Heim- und Pflegebereich wird ermittelt. Verdächtige werden angehört. Auf die Bezirke wird Druck ausgeübt, noch mehr zu kürzen, 70 Mio Euro pro Jahr sollen es sein. Von den Bezirken kommen Reaktionen wie, Jobs seien keine zu vermitteln oder Sarrazins Druck auf die Sozialämter sei "schamlos". Klar ist, dass der Druck, der auf die Amtsmitarbeiter ausgeübt wird, natürlich bei den Sozialhilfebeziehern ankommt. Die Armen liegen dem Finanzsenator auf der Tasche, nicht die Fondszeichner und Bilanzfälscher aus den Chefetagen. Gysi appellierte an die von Sozialabbau Betroffenen, Berlin gemeinsam aus der Misere zu führen. Wer dabei nicht mitwirke, sei ein Egoist. Sozialhilfebeziehern und anderen Betroffenen Egoismus vorzuwerfen, ist ein starkes Stück angesichts der Nothilfe für Reiche. Die PDS, Partei der sozialen Gerechtigkeit, macht auch mit bei Entlassungen und Kürzungen im Kultur-, Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie im öffentlichen Dienst. Mit dem Segen der Gewerkschaften sollen allein im öffentlichen Dienst 15 000 Stellen abgebaut werden.
Wobei ich bei dem Thema Erwerbslosigkeit bin.
In Berlin gibt es 288 000 Erwerbslose, das ist jeder 11. Berliner. Friedrichshain- Kreuzberg mit 22,4% und Neukölln mit 21,1% haben die höchste Arbeitslosenquote, Steglitz- Zehlendorf mit 11,2% die niedrigste. Belastet wurde der Berliner Haushalt in den letzten Jahren besonders durch die rasant angestiegene Erwerbslosigkeit. Seit der Wende wurden in Berlin 270 000 Industriearbeitsplätze abgebaut. Die Kosten der Erwerbslosigkeit wurden immer mehr auf die Kommune abgewälzt. Jetzt werden durch die Sparpolitik noch mehr Arbeitsplätze abgebaut, so im öffentlichen Dienst. Auch bei der Bankgesellschaft fallen von 140 000 Arbeitsplätzen 15 000 Stellen bis Ende 2006 weg. Durch die Kürzungsschraube des Senats bei KITAs, Schulen, Jugendeinrichtungen, der Drogenhilfe und im öffentlichen Verkehrswesen wird es auch dort zu Arbeitsplatzabbau führen. Natürlich werden auch die Privatisierungen bei Wasserbetrieben, Wohnungsbaugesellschaften, Gesundheitswesen usw. vom Stellenabbau begleitet sein.
Arbeitsplätze werden vernichtet, Löhne gesenkt und Dienstleistungen schlechter und teurer.
Die Erwerbslosigkeit wird ansteigen, niedrige Löhne werden dazu führen, dass Erwerbstätige ergänzende Sozialhilfe beantragen müssen usw. Die Kommune wird noch mehr Sozialaus-gaben haben. Ganz abgesehen von der Situation der Betroffenen.
Anstatt Reiche zu beschenken, sollte das Land Berlin öffentliche Gelder für die Unterstützung Einkommensschwacher einsetzen. Für soziale Einrichtungen, für die Sozialhilfe, für die Finanzierung sinnvoller und gesellschaftlich notwendiger Arbeit.
Und eines sollte man nicht vergessen, auch wenn es keinen Bankenskandal gegeben hätte, stände das Land Berlin finanziell nicht gut da. Auch andere Kommunen sind pleite.
Berlin ist nur ein drastischer Fall, die Umverteilung von unten nach oben nimmt seit Jahren im ganzen Lande zu. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.
Gerade in einer Großstadt wie Berlin wird die Armut immer sichtbarer, Obdachlose, drastische Zunahme der Sozialhilfebezieher, Kinderarmut usw. Armut, die sich mittlerweile über Generationen fortsetzt. Armut, die unsichtbar gemacht werden soll, durch Verdrängung und Überwachung privater und öffentlicher Räume.
Im Grunewald haben wir die Kehrseite dieser Medaille- die Villen der Reichen. Eine Leistungsgesellschaft sei dieser Kapitalismus, wird uns jeden Tag eingeredet. Reichtum sei die Belohnung für diese Leistung. Landowsky, Diepgen und co haben wirklich was geleistet.
Bravo.
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