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Am 4. Dezember 2002 hatten
das "Berliner Bündnis für soziale Grundrechte - Stoppt
die Hartz-Pläne!" und die "Stiftung Menschenwürde
und Arbeitswelt" unter dem Titel "Was tun gegen Hartz!"
zu einer Diskussion in die Humboldt-Uni eingeladen. Mit rund 500
TeilnehmerInnen war die Veranstaltung im Audimax überraschend
gut besucht. Anne Seeck und Gerald Wolf, beide vom Berliner Anti-Hartz-Bündnis,
berichten über den für sie spannenderen Teil des Abends:
die Herausarbeitung zentraler Kritikpunkte an den Hartz-Plänen
durch die ReferentInnen und die Diskussionen in der IG-Metall und
beim Berliner Anti-Hartz-Bündnis.
"Trotz allem eine
Chance?"
Renate Hürtgen,
GEW-Mitglied, BR-Vorsitzende in einem Wissenschaftszentrum und aktiv
im Berliner Anti-Hartz-Bündnis, benannte in ihrem Eingangsstatement
zwei Probleme, die die Anti-Hartz-Arbeit erschwerten: Diese bestünden
zum einen in dem Blitztempo, in dem diese Reform durchgezogen werde.
Zum anderen führten die ebenfalls im Eilverfahren vorgenommenen
Kürzungen, der Stellenabbau auch im Öffentlichen Dienst
usw. dazu, dass die Sparprogramme der Regierung wie ein Naturereignis
behandelt würden, das über alle gleichermaßen und
damit ganz gerecht hereingebrochen sei.
Bei den Hartz-Plänen handele es sich aber um "Sparen mit
System". Hinter der medial wirksamen Rede über allgemeine
Sparnotwendigkeiten verschwinde gänzlich, dass hier eine neue
Qualität von Sozialabbau stattfinde, indem die Schuld der Misere
auf die Erwerbslosen abgewälzt und die sozialen Absicherungssysteme
systematisch privatisiert und individualisiert würden. Wenn
die Pläne durchgesetzt würden und Praxis geworden seien,
werde sich diese Gesellschaft, so Hürtgen, erheblich verändert
haben.
Dennoch gab es für sie auch Anlass zu Optimismus: Insofern
sich die Hartz-Reform gegen Erwerbslose und Erwerbstätige gleichermaßen
richte, erscheine der Versuch eines Brückenschlages zwischen
beiden Gruppen der Gesellschaft diesmal vielleicht nicht ganz so
aussichtslos. Die aktuelle politische Situation lasse darüber
hinaus keine andere Möglichkeit mehr, als an einem außerparlamentarischen
Oppositions-Bündnis zu schmieden: Im Parlament sitzt eine sozialdemokratisch/grüne
Regierung, die gemeinsam mit Gewerkschafts- und Unternehmervertretern
die Politik des Sozialabbaus auf den Weg gebracht hat.
"Totale Mobilmachung
des Kapitals"
Michael Heinrich, Wirtschaftswissenschaftler
und Redakteur der PROKLA, Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft,
setzte sich in seinem Referat kritisch damit auseinander, dass die
Hartz-Kommission in der Öffentlichkeit als Heilmittel gegen
Arbeitslosigkeit angepriesen wird. Dem neoliberalen Background der
Hartz-Kommission folgend müssen lediglich "Angebot und
Nachfrage" in Übereinkunft gebracht werden, d.h. die Arbeitskraft
wird verkauft, wenn der "Preis stimmt". Zu hohe Tarifabschlüss
und "überdimensionierte" soziale Sicherungssysteme
gehörten daher "abgeschliffen", um die Nachfrage
nach "Arbeit" anzukurbeln. Hier setze die Hartz-Kommission
an und bemühe dabei wieder die in der Gesellschaft weit verbreiteten
Bilder, die Arbeitslosen seien faul, selbst schuld an ihrem Schicksal,
und die Bürokratie agiere zu langsam.
Heinrich hielt vier wesentliche Ziele der Hartz-Kommission fest:
Nach dem Skandal um gefälschte Vermittlungsstatistiken im Frühjahr
2002 wurde zunächst BfA-Chef Jagoda ausgetauscht und dann die
Hartz-Kommission mit dem Auftrag eingesetzt, Konzepte für eine
Verwaltungsreform der BfA zu entwickeln - Aktivitäten, die
nicht zuletzt mit Blick auf die Wahlen erfolgten. Mit ihren Entwürfen
für ein neues Paradigma der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik
sei die Kommission jedoch insgesamt weit über den ursprünglichen
Arbeitsauftrag hinaus gegangen.
Zweites Ziel sei die Verbilligung und Flexibilisierung der Ware
Arbeitskraft durch Personalservice-Agenturen (PSAen) und untertarifliche
Bedingungen der Leiharbeiter. Von Arbeitslosen wird demnach mehr
zu geringeren Löhnen verlangt. Die Zumutbarkeit verschärft
sich, Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe werden durch ein neu
konzipiertes Arbeitslosengeld I und II ersetzt. Ob die solchermaßen
verbilligte Arbeitskraft dann wirklich verkauft werde, müsse
bezweifelt werden. Der Effekt sei in jedem Fall ein allgemeiner
Druck auf die Löhne.
Drittes Ziel sei die Förderung von Minijobs in haushaltsnahen
Dienstleistungen, also schlecht abgesicherten Jobs mit einem geringen
Sozialversicherungs-Beitrag, wobei Arbeitgeber die Kosten steuerlich
absetzen können. Dabei sei nicht zu erwarten, dass es tatsächlich
zu nennenswerten Beschäftigungseffekten kommen werde, sondern
eher zu einer Umwandlung bisheriger Schwarzarbeit in nun legalisierte
Tätigkeitsformen. Dies jedoch auch nur dann, wenn die Mehrkosten
durch die Steuerersparnis kompensiert würden. Die Dienstmädchen
würden somit steuerlich von der Allgemeinheit subventioniert.
Mit der Einführung der "Ich AG" schließlich
würden Individuen als Unternehmen gefördert. Das Credo
vom "aktivierenden Sozialstaat" beinhalte, dass die Arbeitslosen
für die eigene Verwertbarkeit verantwortlich gemacht würden.
Heinrich zitierte den Soziologen Bröckler, der in diesem Zusammenhang
von der "totalen Mobilmachung des Kapitals" spreche. Wenn
das Hartz-Konzept greift, bedeute dies nicht nur materielle Verschlechterung
für die Arbeitslosen, sondern auch, dass sich das Leitbild
des Unternehmers als Vorbild für die gesamte Gesellschaft durchsetze.
Verstärkte Entsolidarisierungsprozesse seien absehbar.
Heinrich bezeichnete
das gewerkschaftliche Mitmachen bei dieser Reform als "selbstmörderisch".
Die Gesellschaft leiste sich mit dem Kapitalismus ein destruktives
Wirtschaftssystem, in der Erwerbslosigkeit ein notwendiges Übel
sei. Es gälte also, einerseits für ein menschenwürdiges
Leben im Kapitalismus zu kämpfen, andererseits aber auch über
Alternativen zum Kapitalismus nachzudenken. Wer die propagierten
Jobeffekte der Hartz-Pläne für realistisch halte, sei
utopistischer, als diejenigen, die darüber reflektierten, wie
eine andere Gesellschaft aussehen könnte.
"Uferlose Erwerbsorientierung"
Im Zentrum des Beitrages
von Christa Sonnenfeld, Sozialwissenschaftlerin und langjährige
Mitarbeiterin beim Frankfurter Arbeitslosenzentrum FALZ, standen
die Folgen der Hartz-Pläne für Erwerbslose. Ein wesentliches
Ziel seien hierbei Einsparungen der Bundesanstalt für Arbeit.
Dabei gehe es zunächst und massiv darum, ArbeitslosenhilfebezieherInnen
aus dem Leistungsbezug und damit aus dem sozialen Sicherungssystem
zu kippen, indem Vermögen und Partnereinkommen stärker
als bisher angerechnet werden. 27 Prozent aller Arbeitslosen würden
nach dieser Neuregelung keine Leistung mehr erhalten, so Sonnenfeld.
Diese Strategie sei perfide: Nach Ablösung der bis dahin geltenden
engeren Anrechnungsregeln durch eine neue Formel, mit der ab Frühjahr
1999 ein anrechnungsfreier Betrag von 1000 DM pro Lebensjahr eingeführt
wurde, seien viele Leute "aus der Deckung" gekommen, ihre
Rücklagen wurden beim Bundesminister für Finanzen erfasst.
Jetzt würden sie dafür abgestraft. Während die Bundesregierung
durch die Teilprivatisierung der Rente einerseits Anreize
zu verstärkter individueller Altersvorsorge geschaffen habe,
konterkariere sie mit den nun deutlich niedrigeren Anrechnungs-Freibeträgen
zugleich ihre eigene Altersvorsorge-Politik. Die Altersarmut werde
daher deutlich ansteigen. Sonnenfeld wies auch darauf hin, dass
die Gewerkschaften zunächst erbitterten Widerstand angekündigt
hatten, der DGB-Vorsitzende Michael Sommer das Sparpaket in der
Zwischenzeit jedoch als "sozial gerecht und ausgewogen"
beurteile.
Sonnenfeld ging des Weiteren auf die flächendeckende Ausweitung
der Leiharbeit mit Zwangsmitteln ein. Leiharbeit sei zwar bereits
heute ein verbreitetes Phänomen, doch zeichne sich mit der
Einführung der PSAen auch hier eine neue Qualität ab:
Jede Person, die erwerbslos wird, kann sofort für eine PSA
rekrutiert werden - bei Verweigerung dieser staatlich organisierten
Leiharbeit droht Leistungsentzug. Obwohl noch unklar sei, wie hoch
der neu zu schaffende Spezialtarif für die bei PSAen angestellten
LeiharbeiterInnen sei, müsse davon ausgegangen werden, dass
dieser unter dem Niveau der jeweiligen Tarifverträge liegen
werde.
Zugleich würden mit den PSAen nicht neue Arbeitsplätze
geschaffen, sondern vorhandene Beschäftigungsverhältnisse
ersetzt, der Kündigungsschutz werde unterlaufen, der Grundsatz
"gleicher Lohn für gleiche Arbeit" und das Prinzip
der Allgemeingültigkeit von Tarifverträgen ausgehebelt,
dem Phänomen der "Armut trotz Arbeit" und der Entsolidarisierung
zwischen Erwerblosen und Beschäftigten Vorschub geleistet.
Sonnenfeld kritisierte die "Uferlosigkeit" dieser Erwerbszentrierung:
Ziel sei Arbeit um jeden Preis. Das dazu passende Bonmot des Ex-DGB-Chefs
Schulte auf die Frage, warum er nicht mehr kandidiere: "Es
gibt für mich noch etwas anderes, außer Arbeit, Arbeit,
Arbeit." - Die Botschaft hör'n wir wohl, allein uns fehlt
jeglicher Glaube!
"Eine moderne Form
der Zwangsarbeit!"
Detlev Hensche, heute
als Rechtsanwalt tätig und ehemaliger Vorsitzender der IG Medien,
zog eine Bilanz der Deregulierungspolitik. Im Gegensatz zum autoritären
Diktum des Bundeskanzlers "Wer nörgelt und mäkelt,
stellt sich abseits", propagierte Hensche Kritik geradezu als
erste Bürgerpflicht. Seit 16 Jahren würden Gesetze erlassen,
die Arbeitslose disziplinieren sollten. Die Brutalität und
Unverfrorenheit, mit der dies nun erfolge, sei jedoch beispiellos.
Jahrzehnte habe man darum gekämpft, dass die Menschen, die
abhängig arbeiten, einen Mindestschutz, Tarifverträge
etc. erhielten. Hensche erinnerte daran, dass man bereits vor 17
Jahren "Hand angelegt" habe an diese Perspektive, indem
befristete Arbeitsverträge zugelassen wurden. Der damalige
Arbeitsminister Blüm hatte dies seinerzeit mit den Worten "Lieber
befristet in Arbeit, als unbefristet in Arbeitslosigkeit" gerechtfertigt.
Hensche verwies auch darauf, dass mit dieser Strategie im Ergebnis
keine neuen Arbeitsplätze geschaffen worden seien.
Für besonders empörend hielt er den Umgang mit älteren
ArbeitnehmerInnen, die nach den Hartz-Plänen künftig grundsätzlich
befristet eingestellt werden könnten. Wer befristet arbeite,
sei jedoch immer nur "Gast im Betrieb" und ziehe den Kopf
ein. Das Widerstandspotential in den Betrieben werde so erstickt
und ein Belegschaftsteil gegen den anderen ausgespielt.
Hensche schloss sich der Einschätzung an, dass nun die letzten
Schamgrenzen in puncto Leiharbeit fielen: Wer arbeitslos sei und
sich weigere, sich als Leiharbeiter zum Arbeitslosengeld zu verdingen,
erhalte eine Sperrfrist. Dies sei eine moderne Form der Zwangsarbeit.
Auch jene Stammbelegschaften, die sich in Sicherheit wägen,
seien gefährdet. Fest-Arbeitsplätze würden durch
Leiharbeitsplätze ersetzt und die Belegschaften noch stärker
in Stammbelegschaften und prekär Beschäftigte gespalten.
Während Hensche auf der Veranstaltung noch Oskar Negts Verwunderung
teilen konnte, "dass "Ich-AG" nicht zum Unwort des
Jahres" geworden sei, ist wenigstens diese Karriere mittlerweile
gerettet. Wegen "Herabwürdigung" menschlicher Schicksale
"auf ein sprachliches Börsenniveau" hat es diese
Neuschöpfung auf Platz 1 geschafft. Hensche mahnte, dass angesichts
der fortschreitenden Abschaffung sozialer Schutzrechte eine Gesellschaft
konkurrierender, sich gegenseitig im Dumping unterbietender Individuen
übrig bleiben werde. Der Mensch sei aber mehr als ein Marktteilnehmer,
die Gesellschaft mehr als eine Summe von Ich-AGs.
Die Tarifverträge seien der Schutz, um den aufrechten Gang
in den Betrieben zu erhalten. Der scheinbar allgemeine Konsens in
Bezug auf die Hartz-Pläne stelle zudem einen Tiefpunkt wissenschaftlicher
Politikberatung dar. Das Hartz-Paket bedeute nicht "einen Millimeter
Fortschritt", sondern vertiefe die Spaltung und Verarmung der
Gesellschaft, letzteres insbesondere unter den Frauen.
"40 Prozent aller arbeitslosen Frauen kippen aus dem Leistungsbezug!"
Mag Wompel, Industriesoziologin
und Redakteurin von "Labournet" Deutschland, konstatierte
im Anschluss daran, dass die Hartz-Vorlage die ohnehin schon bestehenden
Diskriminierungen für Frauen weiter verschärfe. Bezugspunkt
der Kommission sei die männliche Erwerbsbiographie. Frauen
würden benachteiligt, aus dem Leistungsbezug, in Sozialhilfebedürftigkeit
und Altersarmut gedrängt und aus der Qualifikation ausgegrenzt.
Die Politik, Frauen aus dem Erwerbsleben hinauszudrängen, sei
im Prinzip nichts Neues, würde jetzt jedoch forciert. Die Hartz-Pläne
verstießen gegen Gleichstellungspflicht und Grundgesetz. Wompel
berichtete über die "harten Bandagen", mit denen
die Gewerkschaften dagegen kämpften: So sah der erste Entwurf
bei der neu geschaffenen "Quickvermittlung" noch eine
bevorzugte Vermittlung von Vätern vor. Nach Kritik von Gewerkschaftsseite
gelte jetzt die "Quickvermittlung für FamilienernährerInnen"...
Auch die Kürzung der Arbeitslosenhilfe durch die Aufhebung
der Dynamisierung und die stärkere Anrechnung von Vermögen
und Partnereinkommen treffe Frauen wesentlich härter. So resultierten
aus geringeren Ausgangslöhnen notwendig auch geringere Lohnersatzleistungen:
85 Prozent der Frauen erhielten weniger als 600 Euro an Arbeitslosenunterstützung.
Aufgrund der Neuberechnungen würden 40 Prozent der arbeitslosen
Frauen überhaupt keine Lohnersatzleistungen mehr erhalten.
Da es das Arbeitslosengeld II nur noch für jene gebe, die erwerbsfähig
seien und dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung stünden,
würden weitere Frauen aus dem Leistungsbezug herausfallen.
Neben dem sich dadurch verstärkenden Zwang zur Versorgerehe
sei eine weitere Verarmung vorprogrammiert: Frauen, die mehrere
Minijobs machen, könnten diese nicht bündeln, um sich
damit sozialversicherungspflichtig abzusichern. Bei der Familien-AG
hingegen werde zwar "gleichberechtigt" die Scheinselbständigkeit
für beide Geschlechter gefördert.
Zugleich sei dies jedoch ein Schritt zurück ins 19. Jahrhundert,
indem Frauen zu mithelfenden Familienangehörigen ohne soziale
Absicherung degradiert würden. Auch das "Bridgesystem",
die ursprünglich geplante Altersübergangsregelung, sei
aus dieser Perspektive zu kritisieren: Durch die Befristung der
Arbeitsverhältnisse ab 50 ließen sich nur noch geringe
Rentenansprüche erarbeiten. Wompel schloss mit der These, dass
die Hartz-Gesetze Frauen sicherlich besonders beträfen, aber
auf eine Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen aller
Lohnabhängigen zielten. Sie forderte, auf die Gewerkschaften
einzuwirken, eher keine als Niedriglohn-Tarife (auch für die
PSA) abzuschließen, da sonst auch die Klagemöglichkeiten
wegen sittenwidrigen Lohndumpings berührt seien.
"Diesseits der Beschlusslage"
Der bei BMW-Berlin arbeitende
IG-Metaller Hans Köbrich berichtete über die Auseinandersetzungen
in seiner Organisation. Der Vorstand stelle sich nach außen
klar und deutlich hinter das Hartz-Konzept, obwohl es auch in diesem
Spitzengremium Kontroversen und an einzelnen Modulen scharfe Kritik
gebe. An der Basis regt sich dagegen Widerstand. Köbrich berichtete,
dass die IGM-Vertreterversammlung Berlin die Hartz-Pläne mit
großer Mehrheit abgelehnt und spontan zur Demo des Anti-Hartz-Bündnisses
am 5. Dezember aufgerufen habe. Erfreulicherweise trete zudem auch
die IGM-Jugend in Berlin sehr kämpferisch auf. Im "Labournet",
so wurde das Bild zur Situation in Betrieben und Gewerkschaften
ergänzt, werde sichtbar, dass eine Vielzahl von Betriebsgruppen
und gewerkschaftlichen Gliederungen sich gegen Hartz
positioniert haben, u.a. KollegInnen bei Siemens, BMW, DaimlerChrysler,
aber auch in vielen ver.di-Bereichen. Köbrich erklärte
die kritischen Stellungnahmen u.a. mit der Befürchtung, dass
bei einem 30-Prozent-Anteil von LeiharbeiterInnen in Betrieben auch
die Streikfähigkeit tangiert sei.
Er forderte dazu auf, eine Brücke zwischen der IG-Metall und
den sozialen Bewegungen zu schlagen und endlich das Thema Arbeitszeitverkürzung
wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Sein Fazit: Bei der IG Metall
Berlin liege nun eine positive Beschlusslage vor, die aber erst
noch in die praktische Politik umgesetzt werden müsse. Das
bedeute u.a., LeiharbeiterInnen zu organisieren und diese Bereiche
kampffähig zu machen.
"Wir müssen
lernen, uns auszuhalten"
Der im Berliner Anti-Hartz-Bündnis
und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen aktive
Sozialwisschenschaftler Hinrich Garms sprach zunächst die Situation
der Ärmsten an. Am Ende der Kette von Maßnahmen der Hartz-Kommission
stehe die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe.
Hier sei mit einer Kürzung der Sozialhilfe um 20 Prozent zu
rechnen. "Wer bei der Sozialhilfe kürzt, hat die Löhne
im Visier", betonte Garms den funktionalen Zusammenhang zwischen
Sozialhilfeniveau und Tarifentwicklung. Er stellte dann das Berliner
Antihartzbündnis vor. Hier seien viele Leute zusammen gekommen
- Gewerkschafter, prekär Beschäftigte, Erwerbslose -,
die seit Jahren nicht mehr politisch zusammengearbeitet hätten.
"Menschen, ob ReformistInnen oder RevolutionärInnen,
müssen miteinander umzugehen lernen, weil uns nichts anderes
übrigbleibt, als diese Gesetze gemeinsam zu bekämpfen."
Garms betonte die Notwendigkeit einer breiten gesellschaftlichen
Diskussion, denn die Art und Weise der Durchsetzung der Gesetze
sei zutiefst undemokratisch und verlange eine neue Opposition.
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