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Kritikpunkte zum Beitrag "Auslassungen der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Debatte",
Bereits auf dem letzten Plenum am 31.8. hatte ich Kritik vorgebracht an zwei Texten im Arbeitspapier der Struktur AG vom August 03 und meine Ablehnung kundgetan. Zu Punkt 5. "Auslassungen der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Debatte" und zu Punkt 7. "Existenzgeld".
Hier, erstmal einige schriftlich gefaßte wesentliche Kritikpunkte zum Beitrag von Jürgen F."Auslassungen der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Debatte".
Die falschen, ja reaktionären, politischen Vorstellungen die in diesem Text zum Ausdruck kommen, die sich gegen die Arbeit und letztlich gegen die Arbeiter richten, würden das Bündnis auf ein abwegiges falsches Gleis bringen. Und ich möchte auch festhalten diese Stellung widerspricht dem was in der Gründungserklärung des Bündnis im Nov.02 gemeinsam verabschiedet wurde.

Wir haben hier seit Jahrzehnten eine Massenarbeitslosigkeit. Und während Millionen von Menschen ihre Arbeit verloren haben und immer neue Entlassungswellen anstehen; während diese Massenarbeitslosigkeit von den Herrschenden dann auch noch als Argument gegen die Arbeitslosen gewendet wird und benutzt wird um ihren Sozialabbau rechtfertigen zu wollen, erklärt Jürgen doch tatsächlich: "daß eine große Zahl der bestehenden Arbeitsplätze … nicht erwünscht sein kann." und das es darum gehen soll, "daß ihr Wegfall… zu begrüßen und zu unterstützen wäre."(5.2. Inhalt der Arbeit)
Das was Politiker und Medien in der Öffentlichkeit nicht so sagen, spricht Jürgen hier aus. Das es nämlich nicht nur die wirtschaftliche Krise ist, sondern daß es sehrwohl seit Jahrzehnten von den Herrschenden aus auch eine regelrechte Politik der Verwerfung der Arbeiter hier gibt. Danke für die Offenheit Jürgen, aber dadurch wird es nicht besser, denn genau das muß bekämpfen werden.
Das kann doch wohl nicht sein, daß so ein Standpunkt im Bündnis unkritisiert bleibt, geschweige denn…?
Das so etwas bei der Bevölkerung auf Ablehnung stoßen muß und mit Recht, das sollte doch klar sein. Dieser Beitrag verkehrt Gewißerweise alle andern Beiträge ins Gegenteil. Darum frage ich mich warum so ein Text noch eingebracht wurde nachdem eigentlich die anderen als Entwürfe schon fertig waren.

Weiter heißt es im Absatz 5.4., überschrieben: " Gesellschaftliche Entwicklung - Fetisch Arbeit"

" Es gab Zeiten, in denen Arbeit als Fluch und Last angesehen wurde. Sind die jahrhundertelangen Anstrengungen zur Befreiung von der Arbeit obsolet? "

Nun irgendwelche "Anstrengungen zur Befreiung von der Arbeit" sind nicht nur obsolet sondern sind vor allem stink reaktionär.
Es geht um die Befreiung der Arbeiter, all derjenigen die, im breitesten Sinne Arbeit leisten, darum geht der Kampf, so möchte ich es mal ausdrücken, nicht aber um die Befreiung von der Arbeit. Diese Parole kommt von der Gegenseite, von denjenigen die mit von der Arbeit anderer leben wollen. Warum sollten wir all den vergangenen und heutigen Ausbeutern und ihrem Anhang nachweinen, die sich bisher von der Arbeit "befreit" hatten weil sie andere für sich arbeiten ließen, aber zunehmend von der Entwicklung überrollte werden und selbst arbeiten müssen?
Die historische gesellschaftliche Entwicklung und gerade die internationale Entwicklung heute zeigt doch auch, daß der Arbeit und denen mit ihr verbundenen Menschen eine immer größere und bedeutendere Rolle zukommt. Das mag einigen in diesem Land nicht schmecken, denen die lieber von der Arbeit "befreit" bleiben wollen, die sich keine Gedanken darüber machen, daß andere für sie arbeiten müssen, geschweige denn deren Kampf gegen die Ausbeutung unterstützen. Nur das soll doch das Bündnis nicht kümmern, das zieht die Sache gegen Hartz & Co. auf das falsche Gleis.

Die Bedeutung der Arbeit in der gesellschaftlichen Entwicklung und damit natürlich derjenigen die die Arbeit leisten muß man anerkennen, das hat mit Vergötterung rein gar nichts zu tun, sondern ist Erkenntnis über die eigene gesellschaftliche Entwicklung. Dies mit "Fetisch Arbeit" runter machen zu wollen, offenbart eher ein gestörtes Verhältnis zur modernen Zivilisation, zur Arbeit und den Arbeitern.

Ich kenne den langen Kampf der Werktätigen, der Arbeiter, der Bauern, der Unterdrückten und Ausgebeuteten zur Verbesserung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen, ihren Kampf zur Befreiung von der Ausbeutung und ihren Ausbeutern, zu dem ich auch stehe.
Und ich kenne die Anstrengungen auf der anderen Seite, verschiedener reaktionärer Klassen und Schichten die diesem Kampf entgegenstehen, die heute noch gerne von der Arbeit anderer leben und sich selbst, jedenfalls so weit wie möglich, von der Arbeit "befreien" wollen.

‚Befreiung von der Arbeit' davon träumt vielleicht so mancher Ausbeuter und die Schichten in der Gesellschaft die mit ihnen zusammen von der Arbeit anderer leben. Davon mag auch manch Kleinbürger hier und manch verspießerten Arbeiter träumen, von denen wir hier noch mehr als genug haben in diesem Land, das auch nicht wenig mit von der Ausbeutung anderer Länder lebt. Auf diese Grundlage und von dieser Seite her gedeihen solche reaktionären abstrusen Vorstellungen, sich von der Arbeit befreien zu wollen. Während Millionen in dieser Welt der brutalsten Maloche und Ausbeutung durch den Kapitalismus unterworfen werden, während Ausbeutung und Entrechtung auch hier zunimmt, wollen solche Leute nichts als ihre Privilegien behalten. Damit kann man nichts gemein haben.

Arbeit kann man nicht aufheben, sie gehört zum wesentlichen Bestandteil der Entwicklung der Gesellschaft und des Menschen und ist auch eine Grundlage auf der und mit der die ganze moderne Zivilisation aufgebaut ist. Was man ändern kann und muß sind die Verhältnisse und hier vor allem die Ausbeutungsverhältnisse unter denen Arbeit stattfindet. Im Kampf darum und wenn dieses Ziel erreicht ist wird sich auch der Charakter, der Inhalt und die Art von Arbeit geändert haben.

Vielleicht kann man einmal erfahren welche gesellschaftliche Klasse oder Schicht hier von Jürgen gemeint ist, wer die "jahrhundertelang Anstrengungen zur Befreiung von der Arbeit" unternimmt?
Mir fällt da historisch jedenfalls erstmal eine Gesellschaftsordnung ein, die der Sklavenhalter. In dieser Gesellschaftsordnung mußte die ganze Arbeit von völlig unfreien Sklaven und Frauen verrichten werden, während die Herrschenden, die Sklavenhalter völlig von der Arbeit "befreit" waren.
In dieser Sklavenhaltergesellschaft gab es auch keinen Lohn für Arbeit, sondern der Sklavenhalter hielt seine Sklaven halt nach Belieben, manchmal nur mit dem Nötigsten, manchmal auch sehr großzügig.

Unter "5.5 Konsequenzen" stellt Jürgen dann auch die Forderung auf:
erstens eine "wesentlichen Ausweitung der Mitbestimmung der Beschäftigten" und weiter eine "Entkoppelung von Arbeit und Einkommen". Das heißt also nach seinen Vorstellungen soll unter dem herrschenden kapitalistischen System eine "Entkoppelung von Arbeit und Einkommen" durchgeführt werden.
So eine Entkoppelung ist natürlich absurd aber gerade deshalb in seiner Konsequenz äußerst brutal wenn man sie versucht umzusetzen.
Das würde bedeuten, daß Arbeiter, Angestellte usw. nicht mehr für ihre Arbeit, bzw. ihre Arbeitsleistung entsprechend entlohnt würden. Für Arbeit bekommt man also nichts mehr. Was sollten sie dann erhalten, dazu sagt der Verfasser nichts? Sie wären aber gezwungen weiterhin unter der kapitalistischen Ausbeutung zu arbeiten, denn das kapitalistische System und der entsprechende Staatsapparat bleibt ja bestehen, es gäbe allerdings keinen Lohn mehr.
Das wäre die größte Lohnsenkung überhaupt, was sich hinter dieser Entkoppelung verbirgt, die mit der größten Entrechtung der Arbeiter einhergehen muß. Denn wenn es für Arbeit keinen Lohn gibt, dann darf es auch keine Streiks, keinen Kampf für mehr Lohn geben. Das das nur mit der aller brutalsten Unterdrückung durchgesetzt werden könnte, das muß man sich mal klar machen. Dagegen sind alle momentanen Pläne von Hartz & Co. noch Waisenknaben. Wenn man ehrlich gegen Hartz & Co. und den ganzen Sozialabbau auftreten will sind solche Vorstellung dabei nicht vereinbar. Und ich vermisse, daß diejenigen hier im Bündnis, die bei den Hartz-Gesetzen, sonst immer über einen "Arbeitszwang" geklagt haben, hier nicht längst aufgeschrieen haben.

Eine traurige historische Erfahrung mußte dieses Land schon mal machen, wo unter kapitalistischer faschistischer Diktatur, durchgeführt von den Nazis, für einen Teil der Menschen Arbeit und Einkommen entkoppelt wurden. Damals wurden Millionen von Menschen aus diesem und anderen Ländern in Konzentrationslagern gesperrt und mußten ohne Lohn als Sklaven für Nazis und kapitalistische Konzerne arbeiten und waren dabei jeglicher Willkür bis hin zur Vernichtung ausgesetzt.

Klaus D., GNE, 13. Sept. 03

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