| Bezugnehmend
auf Punkt 7 / Unsere Flugivorschläge: Existenzgeld und Mindestlohn
möchte
ich meine weitgehende Ablehnung dieser Vorschläge deutlich machen.
Wie heißt
es da so richtig:" Letzendlich ist dieses Land reich genug......."
Leider wird in diesem Zusammenhang mit keinem Wort darauf eingegangen
woraus dieser Reichtum resultiert, aufgrund welcher Gesellschaftsordnung,
welcher Ausbeutungsverhältnisse er entsteht.
Es sind doch heutzutage Binsenweisheiten, daß ein wesentlicher
Teil des Reichtums der entwickelten Industrieländer aus dem
auspressen von Staaten der 3. Welt resultiert, das heißt sowohl
Bodenschätze aneignen, aber auch Arbeitskraft von zig Millionen
Arbeitern für einen Hungerlohn aneignen.
So bekommt der Rest des zitierten Satzes einen äußerst
üblen Beigeschmack, wenn es da heißt:".....um jedem
und jeder ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen."
Kein Wort über Kapitalismus, kein Wort über imperialistische
Ausbeutung.
Da verwundert es dann nicht, daß wieder der Wunsch nach dem
guten alten "Sozialstaat" auftaucht.
Nur, Tatsache ist eben auch, daß genau dieser "Sozialstaat"
Werkzeug und Mittel war, die kapitalistischen Verhältnisse
zu erhalten. Einige Zugeständnisse an ihre Arbeiterklasse in
den imperialistischen Ländern, bezahlt aus dem Blut, der Gesundheit,
der kurzen Lebenserwartung von zig Millionen Arbeitern auf der Welt.
Womit ich nicht sagen will, daß es hier keine kapitalistische
Ausbeutung gab, nur es war für breite Teile der arbeitenden
Menschen ein doch sehr abgemildeter Kapitalismus.
Jetzt zeigt auch bei uns der Kapitalismus immer mehr seine wirkliche
Fratze. Aufgrund des scheinbaren Wegbrechens eines gesellschaftlichen
Gegensystems, sowie aufgrund imperialistischer Konkurrenz, wird
nun auch in unseren Breiten die Kandare fester angezogen.
Dies muß der Ansatz sein, sowohl in unserem Lande, wie auch
international alle kritischen und fortschrittlichen Kräfte
zu einer Mehrheit zu vereinen, die diesem System das Ende bereitet.
Nur dazu müssen wir die Mehrheit der Menschen gewinnen, wieso
uns ausgepreßte Menschen der 3. Welt behilflich sein sollten
Hängematten neu zu knüpfen, bzw. zu erhalten, ist mir
nicht klar.
Und wieso die arbeitenden Menschen in diesem Lande nun zusätzlich
auch noch Existensgeld zahlen sollen, für alle die, welche
sich selbst verwirklichen oder anders arbeiten wollen ist überhaupt
nicht einzusehen.
Bei den hier herrschenden Machtverhältnissen würde das
zwangsläufig das Resultat sein, oder geht jemand davon aus,
daß die kapitalistische Kaste so menschenfreundlich ist, diese
Angelegenheit aus ihrer Privatschatulle zu finanzieren ( und auch
das wäre letzten Endes geklautes Geld).
Trotz der Überschrift kommt der Mindestlohn tatsächlich
nur kurz zum Schluß vor. Da heißt es dann: "Löhne
und Gehälter sollten nicht unterhalb des Existenzgeldes
angesiedelt werden." das finde ich sehr bezeichnend.
Wir wissen was
hier verkehrt ist, wir wissen wer dafür verantwortlich ist,
es kann doch eigentlich nur darum gehen, möglichst vielen Menschen
die Zusammenhänge zu verdeutlichen.
Solange wir uns mit solchen Vorschlägen immer weiter von der
Mehrheit der Menschen entfernen, müssen wir uns nicht wundern,
daß wir bisher, trotz sich verschärfender Widersprüche
in der Gesellschaft, mehr oder weniger vor uns hindümpeln.
Verärgert
hat mich der Versuch das Thema " Arbeitszwang" sozusagen
durch die Hintertür wieder in die Debatte zu bringen. Der Standpunkt
der hinter diesem Begriff steht, ist im Plenum des öfteren
mehrheitlich zurückgewiesen worden, ihn jetzt hier wieder mit
einzuschummeln ist nicht in Ordnung.
Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal auf Gerhards
und Klaus` Stellungnahme zu diesem Thema verweisen.
Die"Ergänzung
zum Arbeitspapier der AG Struktur" Punkt 1-5 halte ich für
vollkommen ungeeignet, ich verstehe es zum Teil nicht und bei anderen
Teilen frage ich mich, wer damit erreicht werden soll.
Da diese Position
im Bündnis nicht konsenzfähig ist, hat sie auch nicht
auf einem Bündnis-Flugblatt zu erscheinen.
Petra Kirstein
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